Freiburg

Kurzbesuch in Freiburg.

Die Freiburger genießen den Luxus eines werktäglichen Erzeugermarkts am Münster (Montag bis Freitag von 7:30 bis 13:30, samstags bis 14:00). Auf der Nordseite schöne Produkte vom Kaiserstuhl und dem Markgräflerland, und Imbissstände mit der berühmten Freiburger Langen Roten.

Auf der Südseite Kunsthandwerk, Delikatessen und Blumen.

Nicht zu vergessen Stefans Käsekuchen, famos über die Grenzen des Breisgau hinaus.

 

Abends gebummelt auf der Suche nach einem Restaurant, für eine Tapasbar im Studentenviertel entschieden: La Pepa (Moltkestr. 27).

Fast ausgebucht, kleine Warteschlange am Eingang, trotzdem freundlich und flink bedient worden von Laura, wie sich später herausstellt Ehefrau des spanischen Besitzers und: Italienerin.

Frittierte Garnelen im Filoteig, Papas arrugadas, eine sehr gute Ceviche und ein perfekt gebratener Oktopusarm sorgten für einen zufriedenen Abend. Und die Flasche des guten Rueda.

Ach, und zum Dessert eine Tarta de Santiago, ein Mandelkuchen, stilecht mit Malaga zum daraufgießen serviert.

Beim Verdauungsspaziergang eine Gruppe von Tango-Aficionados entdeckt, die einen stillgelegten Brunnen zum Ort der Begegnung umfunktioniert haben.

Abends in die Bar:

One Trick Pony (Oberlinden 8)

2018 von einem Fachmagazin in drei Kategorien für deren Bar Awards ausgezeichnet.

Für die Nichtraucher ein langer Tresen im Durchgangsbereich (warum kommt mir das Wort Schlauch in den Sinn?), mit gut sortiertem Barstock.

Hinten ein sehr großzügiger Raum für die Raucher, mit Galerie über zwei Etagen.

Die Getränkekarte im Comicstil (ganz witzig: Die Gincocktail-Hauskreation mit Basilikum wird von einem mit Lorbeerkranz verziertem Jörg Meyer präsentiert, kleine Hommage an die deutsche Barlegende und Schöpfer des Gin Basil Smash).

Wir bestellten einen eigentlich alkoholfreien Drink mit Roter Bete, aufgepeppt mit ein wenig Alkohol: Code Red mit Geist (12 Euro) und ein Boaty’s Back (Zitronengras-Rum, Wermut, Holunder, 11 Euro).

Schön gemacht, nettes Team, aber zu müde für einen zweiten Drink.

 

Am nächsten Tag nur sparsam gefrühstückt und zum Mittagessen in das

The Gramercy (Fischerau 28)

Moderne Einrichtung in hellen Grautönen.

Zum Aperitif einen sehr guten Vouvray von der Loire, Troglodyte von Alain Robert.

Als Vorspeise gab es Burrata mit Orangen.

Hoppla, kenne ich doch? Stimmt, ist ein Rezept von Ottolenghi, hatte ich im Oktober an dieser Stelle zubereitet. Nun, scheint ein gutes Rezept zu sein und war, wie erwartet, delikat abgestimmt.

Anstelle des Desserts für die Begleitung ein Zwischengang: Ravioli mit Ricotta und Salbei, sehr klassisch, aber hundert Prozent selbstgemacht und zartschmelzend aromatisch.

Hauptgang für mich Frikadellen, gegenüber Bäckchen, mit Fleisch von ein und demselben Rind, mit Kartoffelpüree und Gemüse. Tolles Fleisch mit einem leckeren Tropfen vom Kaiserstuhl, einem Spätburgunder vom Weingut Abril.

Zum Abschluss noch eine kleine Käseauswahl, das Mittagsmenü mit 3 Gängen kostete 35 Euro. Angemessen und empfehlenswert.

Sebastian Trefzer hat hier eine präzise Küchenleistung gezeigt, und die umsichtige Carolin Reichenbach im Service steuert ihren Teil dazu bei, um eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen.

Nur mittags geöffnet!

 

Eine kleine Abkühlung auf der Dachterrasse des Skajo (Kaiser-Joseph-Strasse 192), schöner Blick auf das Münster und über die Stadt.

 

Gut besucht, abends vermutlich ein wenig schicker als der Rest des fahrradfahrenden, rucksacktragenden Birkenstock-Freiburgs. Aber tagsüber ganz entspannt.

Nach einem kleinen Shopping-Rundgang (Gefahr! Kochbücher!)

auf einen kleinen Imbiss mit Getränk in den sehr zentral gelegenen Biergarten Feierling (Gerberau 46). Trubelig und wuselig, aber für ein erfrischendes Bier genau richtig.

Sprach ich neulich im Artikel über Florenz von aussterbenden Eisenwarenläden? Freiburg hat einen! Warum kann der existieren?

Hilfreich ist natürlich keine Ladenmiete zu zahlen, ich vermute dies ist hier der Fall. Und die gute Lage am Schwabentor, aber das alleine rettet keinen kleinen Einzelhändler. Abgesehen von dem umfangreichen Sortiment auf kleinstem Raum, von einzelnen Schrauben über Blumenerde, Gartengeräten hervorragender Qualität von der Schwarzwaldschmiede, bis zu an der Decke hängenden Fahrrädern ist es wohl der Service, der den Unterschied macht.

Der Inhaber versprüht eine umwerfend gute Laune, und nimmt sich die Zeit mit jedem zu plaudern, ohne geschwätzig zu sein.

Luitpold Bauer (Oberlinden 25)

Gen späteren Abend noch eine Ausstellung mit ungewöhnlichen Öffnungszeiten besucht:

Two Degrees Celsius

Fotograf Tom Hegen

Veranstalter und Sponsor Markus Specht begleitete und erklärte uns das Konzept und die Entstehung des Projekts.

Tom Hegen fotografierte Luftbilder, aus dem Flugzeug und dem Helikopter, von abschmelzenden Eismassen in Island und der Antarktis.

Fotografien von betörender Schönheit, und ohne den mahnenden Zeigefinger zum gegenwärtig allgegenwärtigen Thema Klimaerwärmung zu erheben, liefern die Bilder einen erschreckenden Eindruck von der sich verschlechternden Situation des Eises an den Polen.

Dazu gibt es noch eine etwa halbstündige Multimediaschau.

https://www.scene-art-statement.com/

Noch bis zum 6. Juli zu sehen, eine Verlängerung ist aber schon geplant. Danach weitere Termine in verschiedenen deutschen Städten.

Florenz

Die Blühende

 

Die Wiege der Renaissance, die Ponte Vecchio, abertausende von Touristen.

Alle Klischees werden erfüllt, und trotzdem (oder gerade deswegen?) hat Florenz einen unwiderstehlichen Charme. Wunderbar zu Fuß zu erforschen, und wer versucht sich tagsüber von Dom, Ponte Vecchio und der Piazza della Signoria fernzuhalten hat sogar etwas Bewegungsfreiheit.

Die Schlangen vor den Uffizien, der Accademia, dem Aufgang zur Domkuppel oder dem Campanile von Giotto sind lang, daher empfehle ich auch auf die Sehenswürdigkeiten der „zweiten Reihe“ zu achten, die in weniger reich beschenkten Städten immer noch eine verdiente Hauptattraktion wären.

Zum Beispiel die von den Touristenströmen vergessenen wunderschöne Piazza della Santissima Annunziata, mit dem von Brunelleschi erbauten sehenswerten Ospedale degli Innocenti (Hospital der Unschuldigen), einem Waisenhaus in dem Findelkinder abgegeben wurden, die dann alle den Nachnamen Innocento bekamen. Nicht ohne Grund ist dies daher ein heute immer noch häufig vorkommender Florentiner Familienname.

Oder das Museum Bargello, früher unter anderem Gericht und Sitz der Stadtwache, heute sind dort die Originale diverser Skulpturen von Donatello, Giambologna und Michelangelo und die beeindruckenden Keramiken der Künstlerfamilie della Robbia ausgestellt.

Oder Kirchen, in denen Zitronen wachsen. Hier Santo Spirito.

Aber die klassischen Sehenswürdigkeiten werden an anderen Stellen ausreichend beschrieben, ich konzentriere mich heute auf die kulinarischen Erfahrungen in der Stadt.

Eines vorweg: Florenz ist teuer. Aber es ist verdammt schwer hier schlecht zu essen, vorausgesetzt man hält sich von überteuerten Touristenfallen fern. Oder von billigen Touristenfallen:

Und wer sich auf der Piazza della Signoria oder der Piazza della Reppublica im Caffe Rivoire oder bei Gilli draußen hinsetzt, darf sich über „un conto salato“, eine gesalzene Rechnung, nicht wundern. Die Fiorentini sind überzeugte Anhänger des 3-Preise-Systems, al banco, al tavola, a fuori (an der Theke, am Tisch und draußen), und wer einen schönen Blick genießen will zahlt halt etwas mehr.

Erster Tipp, zum ersten eintauchen in die toskanische Küche:

Der Mercato Centrale (Piazza del Mercato Centrale, Via dell’Ariento).

Im Untergeschoß ein funktionierender Markt, im Gegensatz zu anderen Markthallen in touristisch überfluteten Städten (z.B. die Boqueria in Barcelona), noch relativ authentisch. Touristen wollen leider nur Melonenstückchen kaufen, keinen ganzen Schwertfisch. Doch auf ein paar Mitbringsel wie Olivenöle, fertige Pasta, Gewürze usw. muss auch hier niemand verzichten.

Im Obergeschoß dann ausschließlich gastronomische Stände.

Einige von ihnen verkaufen ihre Produkte aus dem Erdgeschoß, den Hamburger-Stand mit Chianina-Rindfleisch betreibt ein Metzger von unten, der Franzose David Bedu führt die ausgezeichnete Bäckerei und Pasticceria Pank, der Fischhändler bereitet diverse „Florenz“ weiterlesen

Karlsruhe

Kurzer Besuch in Karlsruhe.

Abends in das Restaurant „sein“
Modern, aber unprätentiös eingerichtet.

Ich wählte das 4-Gang-Menü zu 70 Euro plus 34,- Weinbegleitung, die Begleitung (nicht der Wein, sondern die weibliche) zwei einzelne Gerichte plus Dessert.

Als Amuse zweimal geschlagene Butter: Eine Nussbutter und einmal Butter mit Sahne.

Etwas befremdlich die rollenden Wassergläser, ich glaube von Sempli. Als Tumbler für den Whisky bestimmt eine nette Spielerei, für das Wasser bevorzuge ich pragmatischere Gläser, die nicht vor einem fliehen…

Erster Gang geräucherte Forelle und Guacamole, klein aber fein.

Danach eine Kalbsconsommé, mit Madeira, eventuell Portwein verfeinert. Sehr, sehr gut!

Absolut klar und von einer bestechenden Konzentration. Eine gute Consommé mag einfach erscheinen, ist aber ein handwerklich recht aufwendiges Gericht.

Als nächster Gang ein Hummertatar mit Jaipur Curry gewürzt, in Ponzu eingelegte Gurke und eine Art Eis aus Mango. Curry zum Hummer klappt ausgezeichnet, auch die anderen Aromen harmonierten prima. Dazu ein Riesling Alsace von der Domaine Trimbach, Selection des vielles vignes.

Das war in der Kombination mit dem Tatar großes Kino, und ganz klar der beste Wein des Abends.

Gegenüber wurde gleichzeitig ein gebratener Steinbutt mit Nussbutterpüree, Spinat, Perigordtrüffel und einem Vin jaune-Jus serviert, sehr delikat.

Nun folgte Pulpo in Kokossuppe mit Ingwer, darauf ein gebratener Sojasprossensalat mit knusprigen Kokoschips und ein paar Tropfen Basilikumöl. Der Tintenfisch war auf den Punkt gegart, die Suppe nicht zu mächtig und die angebratenen Sojasprossen setzten mit der Vinaigrette einen interessanten Gegenpart dazu.

Danach das gebratene Rinderfilet, plus einem gebackenem Klops, zweierlei Brokkoli (einmal gepickled, und einmal als Püree), Eigelbcreme und Sauce périgourdine.

Wein: Eine Cuvée namens Beryll aus Cabernet/Merlot/Zweigelt von Schwegler, die hat mich nicht allzu begeistert, das Fleisch hingegen war fantastisch, und die Saucen ganz besonders.

Für die Begleitung die Rinderschulter 48h geschmort, butterzart, mit Karotte, Vanille und Madeirajus (18,-), dazu ein Rioja von Sela, beides stieß auf großen Anklang!

Als „Süße Einstimmung“ ein Prédessert, ein Mini-Churro mit Apfelkompott und Vanilleschaum.

Zum Dessert für mich ein Brie de Meaux mit Trüffel, Tannenhonig, Kerbel, Feigenbrot und -marmelade. Wein dazu: Ein Muskateller aus dem Markgräflerland von Martin Wasner.

Dieser war hervorragend, Käse, Trüffel und Tanne kombiniert jedoch für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, die Aromen zu stark. Vielleicht war aber auch nur ich zu schwach.

Die Wahl der Valrhonaschokolade warm & kalt mit Himbeere, Frischkäse und Vanille war da stimmiger.

Wer mitgezählt hat: Das waren fünf Gänge plus Amuse und Pre-dessert. Nett. Vielleicht war aber die Forelle auch noch ein Post-Amuse…?

Küchenchef Thorsten Bender ging nach dem Menü von Tisch zu Tisch und plauderte interessiert mit den Gästen. Nach unserem Lob für die Leistung der Küche, mit dem Zusatz „Wir sind zum ersten Mal hier“, kam als Antwort:

„Ich weiß!“

Da achtet jemand auf seine Kunden.
Gerne wieder.

 

Vor dem Essen zum Aperitif in eine Bar, das

Guts & Glory 

Der Tresen ist am Kopfende des Raumes in der Mitte, und soll einem Boxring ähneln, schickes Beleuchtungskonzept, an den Wänden Boxerfotos und diverse Utensilien wie z.B. Boxhandschuhe.

Zum Auftakt ein Americano mit Punt e Mes, Orangenbitter und relativ viel Soda, passte aber.

Und ein „Früchte des Südens“, Pimm’s, Erdbeere, Holundersirup und Amaro, frisch und lecker.

Nach dem Restaurantbesuch sind wir noch einmal eingekehrt:
Für die Dame einen Martinez mit dem Guts & Glory Hausgin, 12,-

Der Cocktail namens „Kaiserstraße“ klang für mich vielversprechend:
Revolte Rum, Mezcal, Toasted Sirup, Acid cordial, Orange, Yuzu und Safranfäden, 12,-

Beide Drinks perfekt gemixt und sehr wohlschmeckend, feine Süße/Säure-Balance bei der Kaiserstraße.

Der Besitzer Mo Kaba, optisch eine Mischung aus Samuel L. Jackson und Catweazle (aufgrund der Bartfrisur), erwies sich als souveräner Gastgeber. Den Laden hat er routiniert im Griff, und obwohl später gut gefüllt, musste niemand lange auf sein Getränk warten, und er fand trotzdem noch Zeit für einen kleinen Plausch mit uns.

Außerdem besitzt er diesen coolen Eiswürfel-, bzw. Eiskugelbereiter. 

 

Anmerkung: Dieser Artikel brauchte mal wieder etwas länger bis zur Fertigstellung. Kurz nach unserem Besuch wurde dem Restaurant „sein“ ein Michelin-Stern verliehen.

Zu Recht. Glückwunsch!

Restaurant sein
Scheffelstraße 57
76135 Karlsruhe

Guts & Glory
Hirschhof 5
76133 Karlsruhe

Paris, der Rest des Tages

Nach dem Besuch in Rungis fuhren wir zu unserem Hotel und hatten den Rest des Tages zum Bummeln durch Paris. Da die Zimmer erst um 15 Uhr bezugsfertig waren, bestand auch keine Gefahr nach einem Nickerchen liegenzubleiben. An dieser Stelle war festzustellen, dass eine Nacht durchzumachen immer noch möglich ist. Nur geht es nicht mehr so spurlos wie früher an einem vorbei…

Nach einem Spaziergang durch die Tuilerien, einem Abstecher in die Galeries Lafayette, die übrigens ein Dachcafé mit hübscher Aussicht haben,

 

und einigen netten Cafés zog es uns zu einem Küchenladen, den ich noch von früheren Besuchen kenne:

E. Dehillerin.

Ein Kupferparadies. Recht altertümlich, fast verstaubt wirkend, ähnelt dieses Geschäft eher einem gutsortierten Eisenwarenladen. Plastikschnickschnack sucht man vergeblich.

 

 

Im Schaufenster ein Stück französischer Küchengeschichte: Eine Entenpresse!

Um die Ecke, etwas versteckt in einem Innenhof, übrigens ein weiteres empfehlenswertes Küchengeschäft: Verrerie des Halles.

Auch dieses eher auf den professionellen Kunden ausgerichtet.

Abends ein Restaurantbesuch bei L’Antre Amis,

einem typischen Vertreter der französischen Bistronomy-Bewegung, die „Paris, der Rest des Tages“ weiterlesen

Paris, Großmarkt Rungis

Fahrt zum Großmarkt Rungis, organisiert vom Verband der Köche.

Der größte Lebensmittelgroßmarkt Europas, ja der Welt. Mit 234
Hektar Fläche größer als Monaco, ein eigenes Krankenhaus, eine eigene Müllverbrennungsanlage, eigener Bahnhof, Apotheken, Banken etc., um die etwa 30000 Menschen, die hier täglich, bzw. nächtlich, arbeiten zu versorgen.

In einer fidelen Nachtfahrt im Bus, die von den Köchen mit allerlei Reiseproviant und üppigem Getränkevorrat verkürzt wurde, erreichten wir den Großmarkt und passierten, zusammen mit täglich etwa 24000 weiteren Fahrzeugen, die Einlasskontrolle.

Um 4 Uhr 30 morgens steht also eine Gruppe leicht übermüdeter Reisender vor den Toren der Fischhalle und wird im angeschlossenen Besucherzentrum in hübsche Kittelchen und Häubchen gesteckt.

Seit zwei Uhr morgens wird hier verkauft, leider schließt die Halle bereits um 5 Uhr 30 und war daher schon etwas „leergefischt“. Trotzdem waren noch so einige ausgefallene Fischarten zu bewundern.

Da die Entfernungen so groß sind, nutzten wir den für die Reise gemieteten Bus, um von der Fischhalle zur Fleischhalle zu fahren.

Nun gibt es nicht nur eine Fleischhalle in Rungis, sondern deren 7. So wie es auch 9 Gemüsehallen und 5 für Käse und Milchprodukte gibt. Auf dem Rundgang besuchten wir jeweils eine.

Hier erwarteten uns erstaunliche Mengen von Fleisch exzellenter Qualität. Während der deutschsprachige Marktguide mehrfach erwähnte, das hier auch ganz tolles Simmenthaler Rind aus Deutschland verkauft würde, hatten es mir jedoch die “malerischen“ Limousin-Rinderhälften angetan.

Eine eigene Halle übrigens nur für Innereien.

Danach die Milchprodukte, also hauptsächlich Käse. Hier wies der Tourguide daraufhin, dass nur der Rohmilchkäse überhaupt als Käse bezeichnet werden dürfte. Womit er natürlich absolut Recht hat…

 

Ein kurzer Gang durch die Blumenhalle, in der hauptsächlich Schnittblumen verkauft werden. Kann man nicht essen, also schnell weiter.

Nun zu den Langschläfern in der Obst- und Gemüsehalle, die doch tatsächlich erst um 5 Uhr öffnen und bis 11 Uhr vormittags verkaufen. Hier war es dann auch deutlich entspannter und fröhlicher, als in den anderen Hallen.

Zum Abschluss des Besuches, etwa gegen 9 Uhr, gab es für die Gruppe ein reichhaltiges Frühstück mit ordentlich Wurst, Käse und Marmeladen in einem der vielen Restaurants bzw. Cafés auf dem Marktgelände. Was allerdings als Diät- und Schonkost daherkam, im Vergleich zu den üppigen Tellern der dort nach der Schicht speisenden Arbeitern. Ganz zu schweigen von den beachtlichen Mengen konsumierter alkoholischer Getränke frühmorgens. Aber für die Rungis-Mitarbeiter ist es ja Mittag- oder sogar Abendessen.

 

Düsseldorf

Am Tag nach dem Besuch bei Anthony’s Kitchen noch ein paar Stunden durch Düsseldorf geschlendert. Wirklich nur kurz, daher nur drei, nein vier Empfehlungen:

Butch.

Ein Küchenladen. Ein wenig auf die Leserschaft des Beef!-Magazins ausgerichtet, man kann hier auch ungefähr die letzten 20 Ausgaben kaufen. Hauptsächlich qualitativ hochwertige Hardware, Pfannen, Töpfe, Messer, ein paar Küchengeräte. Kleines Sortiment an Gewürzen, Fonds, etc.

Gute Auswahl, gute Beratung.

Cucina.

Auch ein Küchenladen. Im Keller Großgeräte wie z.B. Designerkühlschränke und Küchenzeilen von der Werkbankküche.

Oben von allem etwas, Kochbücher, Gewürze/Soßen/Pestos, diverse Kochutensilien, ein paar Töpfe und Pfannen, Holzbretter, Tableware etc. der Richtung jung und stylisch. Gute Auswahl, freundliches Personal.

Direkt nebendran der Markt am Carlsplatz, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 16 Uhr.

Hervorragend bestückter Markt mit festen Ständen und Düsseldorfer Charme, auch hier wird konsequent geduzt. Prima Auswahl an Fisch, Fleisch, Gemüse, Backwaren, Blumen, ein paar Cafés und Bistrots. Hohe Qualität der Waren, lohnenswert.

Auf dem Weg zum Markt zufällig an einem Buchladen vorbeigekommen: Frank Petzchen, ein Buchladen nur mit Kochbüchern! Verheerend für die Urlaubskasse…

Ausgesprochen kompetente und freundliche Inhaberin, und aus dem Keller stiegen Essensdüfte auf, ein Kochkurs war im Untergeschoss zugange. Auf die Frage, wie oft denn ein Kochkurs stattfinden würde, stellte sich heraus: Täglich! Tu felix Düsseldorf.

Butch
Tußmannstraße 63

Cucina
Carlsplatz 24

Frank Petzchen
Benrather Straße 6 / Carlsplatz

Markt am Carlsplatz
Carlsplatz 4

Lyon

Ein paar Tage in Lyon.

Sehr entspannte Anreise im TGV, zumindest solange nicht unerzogene Gören über Stunden ihre Chipstüten laut raschelnd verzehren, und mit den zu Boden gefallenen Resten eine zertretene Spur der Verwüstung durch den Waggon ziehen.

Die Bewohner der Stadt empfingen uns sehr freundlich, mehrfach wurde ich bei der Orientierung mit der Karte (ja, ich benutze bedrucktes Papier zur Navigation) gefragt, ob man behilflich sein könne, sogar Koffer die Treppe zur Metro hinuntertragen wurde angeboten! Auch in den Geschäften und Restaurants ausgesprochen freundliches Personal, teilweise wurde sogar Englisch gesprochen!

Das kenne ich aus Frankreich durchaus auch anders.

Lyon wird auch als kulinarische Hauptstadt Frankreichs bezeichnet, die Heimatstadt von Paul Bocuse, über 4000 Restaurants gibt es hier, was bezogen auf die Bevölkerungszahl rekordverdächtig ist. Um dies zu erkunden waren wir hier.

Außerdem sagen die Lyoner, dass durch ihre Stadt nicht nur zwei Flüsse fließen, Rhone und Saône, sondern noch ein dritter: Der Beaujolais…

Am späten Abend eingetroffen, und sofort auf die Suche nach einem hübschen Restaurant gemacht, bevor die Küchen schließen. Durch Zufall an einem sehr hübschen vorbeigekommen, „A la Guill’on dîne“. Etwa 20 Plätze, alle schienen besetzt, und zwar ausschließlich von Einheimischen.

„Avez-vous une réservation?“

Nein, natürlich nicht, sind ja gerade erst angekommen. Doch siehe da, husch husch einen Tisch umgestellt und schon nahmen wir Platz.

Um es vorwegzunehmen: Großartig! Obwohl wir später wirklich auch sehr gut gespeist haben, dieses Restaurant blieb der Favorit.

Sehr französisch, ohne exotische Zutaten, dennoch modern.

Als Amuse-Gueule eine lauwarme Karottenvelouté, mit Ingwer, Blutorangenöl und Lavendelblüten, fein und delikat.

Zur Vorspeise ein pochiertes Ei auf Artischockenherz, mit einer Kastaniensauce und einem Foie gras-Taler, als Hauptgang ein vegetarisches Risotto mit Trüffelöl, und ein „pièce du boucher“, also vermutlich ein Onglet vom Charolais-Rind, saftig und zart, mit Galettes parmentières (Buchweizenpfannkuchen), und einer köstlichen Rotwein-Schalotten-Reduktion.

Dazu Weine aus der näheren Umgebung (Beaujolais und Côtes-du Rhône) zu angenehmem Preis (um die 6 Euro für 0,15l).

Sehr zu empfehlen.

Wie sich später herausstellt hat der Küchenchef, der als Alleinkoch den Abend wirklich hervorragend bestritten hat, früher bei diversen Sterneköchen, unter anderem Pierre Gagnaire, gearbeitet.

Am zweiten Tag einen Ausflug zum besuchenswerten Flohmarkt Les Puces du Canal gemacht, etwas außerhalb gelegen, dort ein Glas Wein in diesem Restaurantpavillon genommen:

Ich wunderte mich noch über die merkwürdige Comicgestalt am Fenster, doch dann wurden sie serviert, am Nachbartisch, die kleinen Schenkelchen…

Spezialität des Hauses, nur am Wochenende, 18 Euro pro Portion.

Vielleicht nächstes Mal.

Zurück in der Stadt, auf der Halbinsel zwischen Rhone und Saône, einen „Lyon“ weiterlesen

Berlin

Besuch in der Hauptstadt.

Als allererstes kulinarisches Ereignis ein Paukenschlag, möglicherweise hätte man sich solch ein Highlight für den letzten Tag aufheben sollen, aber nun ja: Das Restaurant Tim Raue, dafür ein extra Bericht.

 

Zweites besuchtes Etablissement:

Sardinenbar

Grunewaldstraße 79

Äh ja. Genau das, was der Name verspricht. Sardinen, serviert in der Dose. Gibt auch Thunfisch und Makrele. Sonst nichts, das einzige, was frisch gemacht wird ist die Salatbeilage.

Und oh Wunder: Genial.

Natürlich sind es Sardinen von ausgezeichneter Qualität, von nur zwei Produzenten, der Thunfisch ist delphinfrei geangelt (Werbespruch des Herstellers von den Azoren: Ein Mann, eine Angel, ein Thunfisch.)

„Berlin“ weiterlesen

Bauhaus Dessau

Kein Essen. Nur Architektur.

Während des Aufenthalts in Leipzig ein Abstecher nach Dessau.

Insgesamt drei Führungen mitgemacht, informativ, den ein oder anderen Extraraum aufgeschlossen bekommen, sehr zu empfehlen.

Zuerst die Meisterhäuser. Nachdem Thüringen 1924 eine rechtskonservative Landesregierung bekam, musste das Bauhaus bald aus Weimar umziehen und wurde von dem Dessauer Bürgermeister eingeladen. 1926 gebaut, zu besichtigen sind:

Haus Gropius, später von dem zweiten Direktor Mies van der Rohe bewohnt.

Nach Zerstörung im Krieg und Abriss eines dort entstandenen Einfamilienhauses mit Satteldach (!), wurde das Haus 2014 wieder aufgebaut, „Bauhaus Dessau“ weiterlesen

Leipzig

Ich gebe zu, ich hatte Ressentiments. Bei meinem letzten Besuch war ich in einem Restaurant, für das man anstehen musste, um dann von einer eher militärisch bestimmenden, denn freundlichen Kellnerin an einen Vierertisch geführt zu werden, an dem bereits ein freundliches Leipziger Pärchen saß.

Die Speisekarte bot die mir befremdlich erscheinende Wahl zwischen Fertiggerichten und einer kleinen Tageskarte. Ich entschied mich für Schweinekotelett mit Erbsen und Sättigungsbeilage.

Rückblickend wäre ein Fertiggericht wohl die bessere Wahl gewesen, denn das Kotelett war zäh, die Erbsen angebrannt, der sättigende Kartoffelbrei ebenfalls.

Als kostenlose Beigabe spielte ein Duo, bestehend aus Klavier und Geige, beharrlich La Paloma. An andere Stücke kann ich mich jedenfalls nicht mehr erinnern, denn jedes Mal bei „ohé“ angekommen, traf der Geiger den Ton nicht.

Erlebnisse, die sich dauerhaft ins Gedächtnis brennen.

Nun, dieses Ereignis bezahlte ich allerdings nicht nur mit einem La-Paloma-Trauma, sondern auch in Mark der Deutschen Demokratischen Republik, und nur 29 Jahre später war ich bereit für einen neuen Versuch Leipzig zu erkunden.

 

Den Sanierungsprojekten des schillernden Baulöwen und ehemaligen Königsteiners Jürgen Schneider folgten viele weitere Investoren, und die Innenstadt wurde hübsch herausgeputzt, manchmal vielleicht etwas zu hübsch. Doch der Zahn der Zeit wird es schon richten.

Tagsüber durch die Stadt gebummelt, abends in das Restaurant Max Enk, man konnte draußen sitzen in einem dieser hübsch herausgeputzten Innenhöfe…

Wenn Du in Leipzig bist, mach es wie die Leipziger, dachte ich, und bestellte ein Leipziger Allerlei (22.-), vorneweg einen Teller Tagliatelle in Trüffelrahm, Blattspinat und wachsweich gekochtem Ei (16,-). Die Reisebegleitung Jakobsmuschel mit Ochsenherztomate und frittierter Chorizo, einem Pesto und etwas Limette.

Dazu brachte der aufmerksame Service auf meine Bitte hin zwei Weine zum probieren, einmal den Hauswein, eine Cuv „Leipzig“ weiterlesen