Gebackene Süßkartoffeln mit Feige

Der Feigenbaum im Garten fühlt sich pudelwohl und hat wieder reichlich getragen. Natürlich sind die Feigen nicht hübsch einzeln nacheinander, sondern alle gleichzeitig reif geworden. Zeit also für viele Feigenrezepte.

Hier ein weiteres von Ottolenghi, diesmal aus „Jerusalem“.

Gebackene Süßkartoffeln mit Feigen Ottolenghi

Zutaten für 4 Personen

4 kleine Süßkartoffeln, etwa 1 kg
5 EL Olivenöl
12 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
1 rote Chilischote, in Ringe geschnitten
6 frische, reife Feigen, geviertelt
150 g weicher Ziegenfrischkäse, optional
40 ml Balsamico-Essig
20 g Zucker
Salz, Pfeffer

 

Zuerst den Backofen auf 240 Grad vorheizen.

Die Süßkartoffel waschen, der Länge nach halbieren und die Hälften in jeweils 3 Spalten schneiden. In einer Schüssel mit 3 EL Olivenöl, 2 TL Salz und etwas Pfeffer vermischen. Die Spalten mit der Schale nach unten auf einem Backblech verteilen und 25 Minuten im Ofen rösten, bis sie weich sind, sie sollen aber nicht zerfallen. Anschließend herausnehmen.

Den Balsamico-Essig in einem kleinen Topf mit dem Zucker aufkochen. Die Wärmezufuhr verringern und die Mischung 2-4 Minuten köcheln lassen, bis sie eindickt. Sobald der Essig die Konsistenz von sehr flüssigen Honig hat, den Topf vom Herd nehmen.

Die Reduktion dickt beim Abkühlen noch weiter ein. Wird sie zu dick einfach etwas Wasser unterrühren (Dies ist ein sehr schnell zubereitetes Essen. Wer hier nach der Arbeit in Zeitnot ist und den Aufwand scheut, nimmt fertige Crema di Balsamico aus dem Supermarkt. Aber selber machen lohnt sich!).

Die Süßkartoffeln auf einer Platte oder auf den Tellern anrichten. Das restliche Öl in einem kleinen Topf erhitzen. Frühlingszwiebel und Chilischote hineingeben und bei mittlerer Hitze 4-5 Minuten unter Rühren anbraten, dann mit dem Öl auf den Kartoffeln verteilen. Die Feigen zwischen den Kartoffelspalten anordnen und das Ganze mit der Balsamico-Reduktion beträufeln. Wer mag kann noch Ziegenfrischkäse darüber bröckeln.

 

 

Sake Negroni

Wie versprochen hier das Rezept für den Sake Negroni, aus dem Restaurant La Gineria in Padua, dort Japan Negroni genannt.

Der klassische Negroni feiert dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag, diverse Zeitschriften und Magazine berichteten darüber.

Der Legende nach verlangte der lebenslustige Graf Negroni in seinem Stammlokal danach, den sonst bestellten, damals sehr populären Americano (Campari, roter Wermut und Sodawasser), etwas stärker zu machen und bekam ihn mit Gin statt Soda serviert. Und dieser Drink eroberte später die Barkarten der Welt.

Doch zurück zur Variante:

Ich bin immer noch kein allzu großer Fan von pur genossenem Sake, trotz diverser Feldversuche.

Aber in Cocktails macht er wirklich eine gute Figur!

4cl Sake
3cl Wermut weiß
3cl Luxardo bitter bianco
1 Spritzer Soda- bzw. Mineralwasser

Sake, Wermut und den Bitterlikör in einem Tumbler auf großen Eiswürfeln verrühren, dann einen Schuss Sodawasser dazugeben.
Mit einer Zitronenzeste abspritzen.

Garnitur: getrocknete Orangenscheibe, Zitronenzeste.

 

Sake Negroni

 

Es lohnt sich hier nicht den Kochsake aus dem Supermarkt, sondern ein hochwertigeres Produkt zu nehmen. Leider befinden sich die Spitzensakes schnell in astronomischen Preisregionen.

Eine typisch japanische Angewohnheit, für perfekte Qualität absurd hohe Preise auszugeben.

Wer sonst würde 40000 Euro für zwei Melonen bezahlen?

Ganz so schlimm muss es aber nicht werden, der hier benutzte Dewazakura-Sake („Kirschblüte“) im Ginjo-Stil mit einer Rice Polishing Ratio von 50% liegt bei etwa 15 Euro. Für 0,3l.

Da der weiße Luxardo Bitter etwas süßer ist als Campari, empfehle ich einen trockenen Wermut zu nehmen, z.B. Dolin oder Noilly Prat.

Kanpai!

Castelletto di Brenzone, Venetien

Auf der Rückfahrt einen Zwischenstopp am Lago di Garda eingelegt.

In der Nähe von Bardolino ist übrigens ein von Carlo Scarpa erbautes Wohnhaus, die Casa Ottolenghi (Ottolenghi? Kommt einem bekannt vor? Ja, der gute Yotam hat italienische Vorfahren.).

Das Haus ist leider nicht öffentlich zugänglich, aber auf dieser Webseite gibt es ein paar Bilder. Ein leuchtendes Vorbild für den stilvollen Einsatz von Beton im privaten Haus:

Casa Ottolenghi Bardolino

Der Gardasee selbst war eigentlich nur als Unterbrechung auf der Rückreise von Umbrien gedacht, entpuppte sich aber als sehr idyllisch. Was natürlich auch an der Wahl des Dörfchens lag, in dem ich vor, uuh, etwa 35 Jahren mehrfach mit den Eltern den Urlaub verbracht hatte. Denn in Castelletto di Brenzone ist die Zeit etwas stehengeblieben, und der Lago nicht ganz so touristisch wie an anderen Orten.

Auch das Hotel (nicht dasselbe wie damals) atmete den Charme der 60er, nachdem wir den Aufenthalt um eine Nacht verlängert hatten in der angrenzenden Dependenza den Charme der 80er…

Ein höchst sympathisches Schwesternduo führt die Geschäfte.

Sorelle Brighenti

Die Gäste mit Halbpension essen im Hotel, für mich sollte es aber die Pizzeria Belvedere sein.

Die Erinnerung verklärte da möglicherweise ein wenig, der Blick vom großen Balkon ist immer noch fantastisch, die Pizza gut, der Rest blieb auf dem bodenständigen Niveau einer Pizzeria.

Deutlich besser hingegen die Locanda Alla Fassa, ein geschmackvoll eingerichtetes Restaurant mit romantischer Panoramaterrasse direkt am Ufer.

 

Jakobsmuscheln mit Limetten- und Minze-Creme, Tarallicrumble.

Ganz ausgezeichnet. Taralli sind diese kleinen, tortelliniförmigen, salzigen und eher harten apulischen Kekse. Klein gekrümelt, mit einem Hauch Peperoncini,  sehr gut passend.

Nudeln mit Lachs und Pfirsich. Uffa! Obst an der Pasta! War aber erstaunlich lecker.

Als Hauptgerichte einen Wolfsbarsch mit Fenchelgemüse und ein Kalbsragù mit Pilzen, beides hervorragend, dazu einen leckeren Custoza von Menegotti. Und dieser Blick auf den See.

 

Ach, Olivenöl!

Das vom Gardasee ist etwas ganz besonderes, feinfruchtig, gelbgrün mit zartem, leicht süßlichem Geruch. Und Polyphenole zuhauf.

Nebenbei die nördlichste Olivenanbauregion der Welt.

Die Oleificio Piccoli Produttori (eine Kooperative kleiner Produzenten) verkauft Öl vor Ort, hauptsächlich aus der autochthonen Sorte Casaliva.

Ein Beispielbaum direkt gegenüber des kleinen Geschäftes:

Cultivar Casaliva

Schäppchenjäger aufgepasst: Auf der einen Seite im Regal die Flaschen mit dem teuren DOP-Siegel (geschützte Herkunftsbezeichnung), auf der anderen die Flaschen ohne Siegel. Mit dem gleichen Inhalt.

Der freundliche Verkäufer beim Blättern in einem Buch mit alten Fotos aus Castelletto:

 

 

Locanda Alla Fassa
Via Beato Giuseppe Nascimbeni 11
37010 Castelletto di Brenzone

Belvedere
Via Marniga 38
37010 Marniga di Brenzone

Hotel Pace
Via Marniga 10
37010 Marniga di Brenzone

Oleificio Piccoli Produttori
Via Vespucci 6
37010 Castelletto di Brenzone

 

Perugia, Umbrien

Il cuore verde d’Italia

 

Wie schrieb eine Reisejournalistin mal so schön: „Perugia ist wie Mittelalter mit WhatsApp, und das fühlt sich wunderbar an.“

Das trifft es ziemlich genau. Die Hauptstadt Umbriens, dem grünen Herz Italiens, obwohl uralt (mindestens 2500 Jahre, vermutlich aber schon früher besiedelt), ist dank der vielen Studenten jung, lebendig, und ausgehfreudig. Zum Zeitpunkt unseres Besuches fand außerdem noch das Umbria Jazzfestival statt. Was, neben der Schokoladenmesse Eurocioccolato im Herbst, die einzige Zeit ist in der in der Stadt viele Touristen sind. Sonst bevölkern eher Einheimische den Corso Vanucci, die eleganteste Flaniermeile Mittelitaliens.

Ein Flughafen von eher regionaler Bedeutung, keine Kreuzfahrtschiffe, und nur einmal am Tag ein Frecciarossa, der italienische Hochgeschwindigkeitszug. So bleibt man von Massentourismus verschont.

Der Hang der italienischen Jugend zur abendlichen Passeggiata, oder Vasca, wie man in Perugia sagt, lässt aber Samstag abends kein Gefühl der Einsamkeit aufkommen.

Die Innenstadt ist weitgehend autofrei, dank eines (für einen im Grunde genommen immer noch typischen Borgo, auf einem Hügel gelegen und voller winziger Gässchen) modernen Verkehrskonzeptes: Eine Einschienenbahn, genannt MiniMetro, Rolltreppen und ein Fahrstuhl transportieren die Passanten von den unten gelegenen Parkplätzen, dem Bahnhof und dem Busbahnhof in die Oberstadt.

Der Bahnhof ist übrigens mit einem Wartesaal von außergewöhnlicher Schönheit und Verfall ausgestattet.

Einkaufen

Umbrò

Ein Lebensmittelgeschäft mit Produkten aus Umbrien. Ausschließlich.

Wurst- und Käsetheke, Wein, Gemüse, diverse Delikatessen.
Im Untergeschoss Gastronomie mit Panoramaterrasse, die Apericena (Getränk und Buffet) für 7 Euro.

Von einer Kooperative gegründet, die sich „cultura, bellezza, bontà“ (Kultur, Schönheit, Qualität, bzw. Geschmack) auf die Fahnen geschrieben hat.

Toll.

Antico Frantoio

Die Familie Trampolini betreibt hier eine Olivenmühle mit hochklassigen Olivenölen, probieren und vor Ort kaufen möglich.

Der Sohn produziert auch Craftbier.

Caffè

Die Institution: Das Caffè Sandri auf dem Corso Vannucci. Die Decke bemalt, der Service in roten Jacken, der Caffè espresso außerordentlich teure 1 Euro 20.

Leckerste, hausgemachte Schokoladenversuchungen gibt es bei Mastro Cianuri. Auch tolles Eis.

Abends sind, den Studenten sei dank, vielfältige Möglichkeiten der Zerstreuung, Bars, Pubs, etc.

Stellvertretend möchte ich nur eine, nennen wir es Musikkneipe, erwähnen:

Marla.

Marco führt hier seit 5 Jahren einen vibrierenden Club mit vielen Livekonzerten.

Während des Jazzfestivals jeden Abend Jamsessions.

 

A tavola!

Mittags bei Cammino Garibaldi auf ein Getränk draußen gesessen, am Nachbartisch wurde ein gut aussehendes Gericht serviert: Pappa al pomodoro con Burrata.

Flugs bestellt, und siehe da, diese sehr traditionelle mittelitalienische Brot-Tomatensuppe war ganz hervorragend, frisch und angenehm sommerlich, die Burrata  sorgte für das Quentchen Etwas.

Wie immer in Umbrien und der Toskana die Suppe eher fest als flüssig.

Il Giardino

Sehr versteckt gelegenes Gartenlokal, (genaue Lage auf der Facebookseite herausfinden) eigentlich mehr Garten als Lokal, man kann nämlich nur draußen sitzen. Aber überraschend anspruchsvolle Küche.

Spaghetti vongole mit roter Bete

Wer denkt hier nicht an „Oops! I dropped the lemon tart!“ von Massimo Bottura?

Nur im Sommer geöffnet.

Il Tempio

Am nördlichen Stadttor gelegene Weinbar, mit kleinen Snacks. Tolle Auswahl an umbrischen Weinen. Bisschen Toskana ist auch dabei.

Zum Wein einen köstlichen Brotsalat mit –

Burraaataa!

Selten liebevoller serviert bekommen als von Remigio,

der mit seiner Tochter Claudia das Geschäft betreibt.

Osteria a Priori

Kleines familiengeführtes, gemütliches Lokal, tagsüber Enoteca mit Weinverkauf, abends warme Küche.

Es gab als primi:
Fagiolina del trasimeno, eine uralte lokale Bohnensorte.

Stracciata al tartufo, ein Filatakäse, etwa in der Art von Mozzarella, mit „Perugia, Umbrien“ weiterlesen

Tomba Brion

Kleiner Ausflug zur modernen Architektur, Palladio hatten wir ja schon.

Die Ehefrau des Industriellen Giuseppe Brion aus dem Veneto beauftragte den Architekten Carlo Scarpa für sich und ihren verstorbenen Ehemann ein Grabmal zu erschaffen. Grabmal ist vielleicht nicht das richtige Wort, eher ein Monument oder ein japanischer Tempelgarten? Vermutlich von allem etwas.

Brion war Inhaber der Elektronikfirma Brionvega, die hauptsächlich mit Radiogeräten modernsten Designs erfolgreich war. Scarpa erhielt völlig freie Hand bei der Gestaltung des über 2000m² großen Areals.

Carlo Scarpa blieb zeitlebens die gebührende Anerkennung versagt, da er zwar Architekturdesign studiert hatte und in Venedig als Professor der Architektur graduierte. Die italienische Regierung veränderte jedoch die Zulassungsbestimmungen für Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg, und eine neuerliches pro forma Examen verweigerte er. Als Folge dessen mussten seine Assistenten die Bauprojekte offiziell führen und unterzeichnen, und er wurde von missgünstigen Kollegen gelegentlich als Inneneinrichter verspottet.

Mit der Tomba Brion gelang ihm in den 70er-Jahren sein Meisterwerk.

Über den Friedhof der Gemeinde gelangt man zum Komplex.

Trotz des fast brutalistischen Einsatzes von sehr viel Beton ist der Ort eine Idyll der Kontemplation, mit einer bezaubernden Formensprache.

 

Der Haupteingang mit der öffentlich für Totenmessen genutzten Kapelle wurde leider zum Zeitpunkt unseres Besuches renoviert, aber auch der zugängliche Teil der Anlage mit dem japanisch anmutenden Garten und Seerosenteich, den vielen kleinen Details und Blickachsen verströmt eine betörende Poesie.

Auch der Dorfjugend gefällt’s.

Nach seinem Unfalltod 1978 in Japan wurde Scarpa knapp außerhalb der Grabanlage beerdigt (senkrecht, mit Leinentüchern umwickelt nach der Art eines mittelalterlichen Ritters [!]).

Tomba Brion
Via Brioni
31030 San Vito di Altivole

 

 

I would like to explain the Brion Cemetery…I consider this work, if you permit me, to be rather good and which will get better over time. I have tried to put some poetic imagination into it, though not in order to create poetic architecture but to make a certain kind of architecture that could emanate a sense of formal poetry….The place for the dead is a garden….I wanted to show some ways in which you could approach death in a social and civic way; and further what meaning there was in death, in the ephemerality of life – other than these shoe-boxes.” (Carlo Scarpa)

Padua, Venetien

Veneziani, gran Signori
Padovani, gran dottori*

 

Padua, eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Gut 200.000 Einwohner, durch die vielen Studenten sehr quirlig und lebendig. Und außer einigen Pilgern zu der Basilika des Heiligen Antonius recht untouristisch.

Der Blick fällt hier auf den Palazzo della Ragione, dem Justizpalast aus dem 13. Jahrhundert, heute unter anderem ein Museum. Vor dem Palast ein täglicher Markt für Haushaltsartikel, auf der anderen Seite Obst und Gemüse. In den Arkadengängen Lebensmitteleinzelhändler. Fisch, Käse, Öl, Pferdefleisch.
Paradiesisch.

Am ersten Morgen gleich eine kleine Flusskreuzfahrt von Padua nach Venedig auf dem Brentakanal unternommen.

Sehr entschleunigt lässt man die Landschaft an sich vorbeiziehen, während die Reiseleitung wissenswertes (auf deutsch und italienisch) über die zahlreichen Villen entlang der Strecke erzählt.

Drei davon werden auch besichtigt, Villa Pisani, Villa Widmann und Villa Foscari, genannt La Malcontenta.

Auf der Fahrt werden zahlreiche Schleusen und Brücken passiert. Niedrige Brücken…

Die Villa Pisani ist die größte der drei Villen,

die gelungenste aber wohl die von Andrea Palladio 1550-60 erbaute Malcontenta.

Seine Wiedergeburt der römischen Antike prägte einen ganzen Baustil, den Palladianismus, und später den Klassizismus.

Das Weiße Haus in Washington, zum Beispiel, ist in diesem Stil erbaut.

Am Ende der ganztägigen Tour erreicht man schließlich Venedig, von der Kanalmündung geht es über die Lagune um dann „in stile“ an der Piazza San Marco anzulanden.

Einen Schritt auf den Boden gesetzt ist die Ruhe der Flussfahrt auch schnell „Padua, Venetien“ weiterlesen

Pimm’s Cup

Das erfrischende Sommergetränk der Briten.

Pimm’s No. 1 ist ein Likör auf Ginbasis, die genaue Rezeptur ist (natürlich) streng geheim.

Die Saison startet mit der Chelsea Flower Show im Mai. Während dort Erdbeeren als unverzichtbare Obsteinlage serviert werden, so wie auch einen Monat später in Wimbledon, sind andere Früchte auch willkommen, Brombeeren, Himbeeren und Kirschen zum Beispiel.

Genauer betrachtet kommt allerdings Pimm’s bei der Chelsea Flower Show inzwischen aus dem Zapfhahn als Premix, Erdbeeren gibt’s auch keine mehr und serviert wird im Plastikbecher. O tempora, o mores! Naja, die Atmosphäre rundherum lässt es einem trotzdem schmecken.

Man nehme:

5cl Pimm’s No. 1
10cl Zitronenlimonade
1 halbe Zitronenscheibe
1 halbe Orangenscheibe
1 Gurkenscheibe
2 Minzezweige
ein paar Früchte der Saison

und gebe den Pimm’s Cup und die Limonade in ein Longdrinkglas, fülle mit vielen großen Eiswürfeln auf, gebe die Zitronen-, Orangen- und Gurkenscheiben und das Obst hinzu und dekoriere mit einem Minzezweig. Den Minzezweig vorher mit den Handflächen anklatschen, um die ätherischen Öle freizusetzen. Die Nase soll beim Trinken tief in der Minze versinken, um das volle Aroma zu genießen. Wer seine Nase lieber hoch trägt, nimmt einen Strohhalm.

It’s Pimm’s o’clock!

Freiburg

Kurzbesuch in Freiburg.

Die Freiburger genießen den Luxus eines werktäglichen Erzeugermarkts am Münster (Montag bis Freitag von 7:30 bis 13:30, samstags bis 14:00). Auf der Nordseite schöne Produkte vom Kaiserstuhl und dem Markgräflerland, und Imbissstände mit der berühmten Freiburger Langen Roten.

Auf der Südseite Kunsthandwerk, Delikatessen und Blumen.

Nicht zu vergessen Stefans Käsekuchen, famos über die Grenzen des Breisgau hinaus.

 

Abends gebummelt auf der Suche nach einem Restaurant, für eine Tapasbar im Studentenviertel entschieden: La Pepa (Moltkestr. 27).

Fast ausgebucht, kleine Warteschlange am Eingang, trotzdem freundlich und flink bedient worden von Laura, wie sich später herausstellt Ehefrau des spanischen Besitzers und: Italienerin.

Frittierte Garnelen im Filoteig, Papas arrugadas, eine sehr gute Ceviche und ein perfekt gebratener Oktopusarm sorgten für einen zufriedenen Abend. Und die Flasche des guten Rueda.

Ach, und zum Dessert eine Tarta de Santiago, ein Mandelkuchen, stilecht mit Malaga zum daraufgießen serviert.

Beim Verdauungsspaziergang eine Gruppe von Tango-Aficionados entdeckt, die einen stillgelegten Brunnen zum Ort der Begegnung umfunktioniert haben.

Abends in die Bar:

One Trick Pony (Oberlinden 8)

2018 von einem Fachmagazin in drei Kategorien für deren Bar Awards ausgezeichnet.

Für die Nichtraucher ein langer Tresen im Durchgangsbereich (warum kommt mir das Wort Schlauch in den Sinn?), mit gut sortiertem Barstock.

Hinten ein sehr großzügiger Raum für die Raucher, mit Galerie über zwei Etagen.

Die Getränkekarte im Comicstil (ganz witzig: Die Gincocktail-Hauskreation mit Basilikum wird von einem mit Lorbeerkranz verziertem Jörg Meyer präsentiert, kleine Hommage an die deutsche Barlegende und Schöpfer des Gin Basil Smash).

Wir bestellten einen eigentlich alkoholfreien Drink mit Roter Bete, aufgepeppt mit ein wenig Alkohol: Code Red mit Geist (12 Euro) und ein Boaty’s Back (Zitronengras-Rum, Wermut, Holunder, 11 Euro).

Schön gemacht, nettes Team, aber zu müde für einen zweiten Drink.

 

Am nächsten Tag nur sparsam gefrühstückt und zum Mittagessen in das

The Gramercy (Fischerau 28)

Moderne Einrichtung in hellen Grautönen.

Zum Aperitif einen sehr guten Vouvray von der Loire, Troglodyte von Alain Robert.

Als Vorspeise gab es Burrata mit Orangen.

Hoppla, kenne ich doch? Stimmt, ist ein Rezept von Ottolenghi, hatte ich im Oktober an dieser Stelle zubereitet. Nun, scheint ein gutes Rezept zu sein und war, wie erwartet, delikat abgestimmt.

Anstelle des Desserts für die Begleitung ein Zwischengang: Ravioli mit Ricotta und Salbei, sehr klassisch, aber hundert Prozent selbstgemacht und zartschmelzend aromatisch.

Hauptgang für mich Frikadellen, gegenüber Bäckchen, mit Fleisch von ein und demselben Rind, mit Kartoffelpüree und Gemüse. Tolles Fleisch mit einem leckeren Tropfen vom Kaiserstuhl, einem Spätburgunder vom Weingut Abril.

Zum Abschluss noch eine kleine Käseauswahl, das Mittagsmenü mit 3 Gängen kostete 35 Euro. Angemessen und empfehlenswert.

Sebastian Trefzer hat hier eine präzise Küchenleistung gezeigt, und die umsichtige Carolin Reichenbach im Service steuert ihren Teil dazu bei, um eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen.

Nur mittags geöffnet!

 

Eine kleine Abkühlung auf der Dachterrasse des Skajo (Kaiser-Joseph-Strasse 192), schöner Blick auf das Münster und über die Stadt.

 

Gut besucht, abends vermutlich ein wenig schicker als der Rest des fahrradfahrenden, rucksacktragenden Birkenstock-Freiburgs. Aber tagsüber ganz entspannt.

Nach einem kleinen Shopping-Rundgang (Gefahr! Kochbücher!)

auf einen kleinen Imbiss mit Getränk in den sehr zentral gelegenen Biergarten Feierling (Gerberau 46). Trubelig und wuselig, aber für ein erfrischendes Bier genau richtig.

Sprach ich neulich im Artikel über Florenz von aussterbenden Eisenwarenläden? Freiburg hat einen! Warum kann der existieren?

Hilfreich ist natürlich keine Ladenmiete zu zahlen, ich vermute dies ist hier der Fall. Und die gute Lage am Schwabentor, aber das alleine rettet keinen kleinen Einzelhändler. Abgesehen von dem umfangreichen Sortiment auf kleinstem Raum, von einzelnen Schrauben über Blumenerde, Gartengeräten hervorragender Qualität von der Schwarzwaldschmiede, bis zu an der Decke hängenden Fahrrädern ist es wohl der Service, der den Unterschied macht.

Der Inhaber versprüht eine umwerfend gute Laune, und nimmt sich die Zeit mit jedem zu plaudern, ohne geschwätzig zu sein.

Luitpold Bauer (Oberlinden 25)

Gen späteren Abend noch eine Ausstellung mit ungewöhnlichen Öffnungszeiten besucht:

Two Degrees Celsius

Fotograf Tom Hegen

Veranstalter und Sponsor Markus Specht begleitete und erklärte uns das Konzept und die Entstehung des Projekts.

Tom Hegen fotografierte Luftbilder, aus dem Flugzeug und dem Helikopter, von abschmelzenden Eismassen in Island und der Antarktis.

Fotografien von betörender Schönheit, und ohne den mahnenden Zeigefinger zum gegenwärtig allgegenwärtigen Thema Klimaerwärmung zu erheben, liefern die Bilder einen erschreckenden Eindruck von der sich verschlechternden Situation des Eises an den Polen.

Dazu gibt es noch eine etwa halbstündige Multimediaschau.

https://www.scene-art-statement.com/

Noch bis zum 6. Juli zu sehen, eine Verlängerung ist aber schon geplant. Danach weitere Termine in verschiedenen deutschen Städten.

Florenz

Die Blühende

 

Die Wiege der Renaissance, die Ponte Vecchio, abertausende von Touristen.

Alle Klischees werden erfüllt, und trotzdem (oder gerade deswegen?) hat Florenz einen unwiderstehlichen Charme. Wunderbar zu Fuß zu erforschen, und wer versucht sich tagsüber von Dom, Ponte Vecchio und der Piazza della Signoria fernzuhalten hat sogar etwas Bewegungsfreiheit.

Die Schlangen vor den Uffizien, der Accademia, dem Aufgang zur Domkuppel oder dem Campanile von Giotto sind lang, daher empfehle ich auch auf die Sehenswürdigkeiten der „zweiten Reihe“ zu achten, die in weniger reich beschenkten Städten immer noch eine verdiente Hauptattraktion wären.

Zum Beispiel die von den Touristenströmen vergessenen wunderschöne Piazza della Santissima Annunziata, mit dem von Brunelleschi erbauten sehenswerten Ospedale degli Innocenti (Hospital der Unschuldigen), einem Waisenhaus in dem Findelkinder abgegeben wurden, die dann alle den Nachnamen Innocento bekamen. Nicht ohne Grund ist dies daher ein heute immer noch häufig vorkommender Florentiner Familienname.

Oder das Museum Bargello, früher unter anderem Gericht und Sitz der Stadtwache, heute sind dort die Originale diverser Skulpturen von Donatello, Giambologna und Michelangelo und die beeindruckenden Keramiken der Künstlerfamilie della Robbia ausgestellt.

Oder Kirchen, in denen Zitronen wachsen. Hier Santo Spirito.

Aber die klassischen Sehenswürdigkeiten werden an anderen Stellen ausreichend beschrieben, ich konzentriere mich heute auf die kulinarischen Erfahrungen in der Stadt.

Eines vorweg: Florenz ist teuer. Aber es ist verdammt schwer hier schlecht zu essen, vorausgesetzt man hält sich von überteuerten Touristenfallen fern. Oder von billigen Touristenfallen:

Und wer sich auf der Piazza della Signoria oder der Piazza della Reppublica im Caffè Rivoire oder bei Gilli draußen hinsetzt, darf sich über „un conto salato“, eine gesalzene Rechnung, nicht wundern. Die Fiorentini sind überzeugte Anhänger des 3-Preise-Systems, al banco, al tavola, a fuori (an der Theke, am Tisch und draußen), und wer einen schönen Blick genießen will zahlt halt etwas mehr.

Erster Tipp, zum ersten eintauchen in die toskanische Küche:

Der Mercato Centrale (Piazza del Mercato Centrale, Via dell’Ariento).

Im Untergeschoß ein funktionierender Markt, im Gegensatz zu anderen Markthallen in touristisch überfluteten Städten (z.B. die Boqueria in Barcelona), noch relativ authentisch. Touristen wollen leider nur Melonenstückchen kaufen, keinen ganzen Schwertfisch. Doch auf ein paar Mitbringsel wie Olivenöle, fertige Pasta, Gewürze usw. muss auch hier niemand verzichten.

Im Obergeschoß dann ausschließlich gastronomische Stände.

Einige von ihnen verkaufen ihre Produkte aus dem Erdgeschoß, den Hamburger-Stand mit Chianina-Rindfleisch betreibt ein Metzger von unten, der Franzose David Bedu führt die ausgezeichnete Bäckerei und Pasticceria Pank, der Fischhändler bereitet diverse „Florenz“ weiterlesen

Sommerliche Gurken-Tomaten-Suppe

Zuppa estiva di cetriolo e pomodoro

 

Eine herrlich erfrischende Suppe für heiße Tage, die Tomaten geben die nötige Intensität, die einer normalen Gurkenkaltschale sonst fehlt.

Aus dem Kochbuch „Gemüse“ von Antonio Carluccio, einem von mir sehr geschätztem, in London lebenden italienischen Koch und Gastronom, welcher leider kurz nach Erscheinen des Buches im Jahre 2017 verstorben ist.

Carluccio hatte auch diverse Kochsendungen gedreht, unter anderem mit Gennaro Contaldo („Two Greedy Italians“). Er war der Schwager des britischen Designers Sir Terence Conran, dessen Neal Street Restaurant er ab 1981 leitete, und später übernahm. Wo übrigens Jamie Oliver seine professionelle Karriere begann, damals als Patissier.

Für 4 Personen

2 große Salatgurken, geschält und in Stücke geschnitten
2 El Dill, fein gehackt
3 El Crème double
2 große Fleischtomaten, gehäutet und gewürfelt
10 frische Basilikumblätter, plus einige Blätter zum Garnieren
1 kleine Zwiebel, geschält und gewürfelt
2 El Olivenöl
Salz, Pfeffer

Gurke und Dill mit etwas Salz und Pfeffer in einem Mixer glatt pürieren. Die Crème double untermischen und kalt stellen.

Die gehäuteten Tomaten zusammen mit Zwiebel, Olivenöl, gewaschenen und trocken geschüttelten Basilikum und etwas Salz und Pfeffer ebenfalls im Mixer pürieren und im Kühlschrank kalt stellen.

Zum Servieren etwas Gurkensuppe in einen tiefen Teller geben und die Tomatensuppe vorsichtig in die Mitte gießen. Mit einigen Basilikumblättern garnieren.