Bars in Kuala Lumpur

Malaysia ist ein muslimisches Land, daher könnte man vermuten es gäbe nur wenige Bars, das ist aber zumindest in Kuala Lumpur beileibe nicht der Fall. Alkohol ist zwar in den Garküchen und kleinen Imbissrestaurants eher unüblich, aber in Supermärkten und „normalen“ Restaurants jederzeit erhältlich. Außerdem sind etwa ein Viertel der Bevölkerung Chinesen, und die essen und trinken alles.

Der erste Cocktail lag quasi auf der Hand, denn in der Hotelbar unserer Unterkunft namens Aviary Bar wurde er 1973 erfunden: Der Jungle Bird Cocktail. Dunkler Jamaika-Rum, Campari, Limetten- und Ananassaft.

Nicht schlecht, aber man merkt dem Drink die siebziger Jahre doch etwas an. 40 Ringgit (knapp 9 Euro). Für je 60 Ringgit gibt es 4 weitere, moderne Varianten, aber es zog mich doch nach draußen, zu anderen Etablissements.

Die beeindruckendste Location ist mit Sicherheit die Helipad Bar. Auf dem Dach eines Hochhauses ist tagsüber ein in Benutzung befindlicher Hubschrauberlandeplatz, ab 18 Uhr werden ein paar Bändchen an den Rand gestellt und die Stühle rausgeholt.

Um dorthin zu gelangen muss man das Menara KH Hotel betreten und in den 34. Stock hinauffahren.
Da zahlt man 50 Ringgit „Eintritt“, was aber als Verzehrbon in ein Getränk umgewandelt wird, und geht über eine schmale Treppe auf das Dach.

Die Cocktailkarte verspricht keine Highlights, aber darum geht es hier auch nicht, mit einem Glas Wein in der Hand ist man gut bedient und genießt die, nun, ich denke spektakuläre ist das richtige Wort, Aussicht.

Helipad Bar Kuala Lumpur

Die beste klassische Cocktailbar jedoch befindet sich in einem unscheinbaren Wohngebiet im Viertel Bangsar. Der Name ist eine Hommage an die berühmte Bartenderin des Savoy Hotels in London, Ada Coleman, genannt Coley.

Eine recht kleine Bar, hinter dem offen gestalteten Eingang (warum muss ich bei dem Schnittmengendiagramm an die Tomba Brion denken?) folgt ein gemütlicher Schlauch mit großer Theke.

Coley Bar Kuala Lumpur

Sechs Angestellte plus dem Besitzer Kho Chee Kong, genannt CK Kho, waren anwesend.
Und jeder machte alles, Gäste empfangen, Gläser abräumen, Bestellungen aufnehmen und die Cocktails mixen, sehr entspannt und locker.

Schöne Auswahl an präzise gemixten Standards und Longdrinks, und ein Menü mit Signature-Drinks mit den herrlichen Aromen Malaysias, wie Kokosnuss, Erdnussbutter, Pandan, Gula Melaka (Palmzucker), und so weiter.

Als Einstimmung einen Molly’s Kiss mit Brandy, Chartreuse verte, Melon liqueur und Limettensaft, und einen „Double Barrel“ (Rye, Noilly Prat Dry, Antica Formula, Orange Bitters, Lemon Twist).

Das war schon mal ausgezeichnet, und da die Bar sich langsam füllte und die Stimmung sehr gut war bestellten wir noch einen „The Lion’s Tales“ (Bourbon, All Spiced Dram, Limette, Zucker, Angostura) und „Kokolak“, mit zweierlei Rum, Plantation Dark und Gosling Gold Seal, Toasted Coconut, Gula Melaka und fermentiertem Reis.

Kokolak

Bombe!

Der Kokolak war mein absoluter Favorit, eine perfekte Verschmelzung westlicher Cocktailkunst mit den Düften Südostasiens!

Die Coley Bar wurde also nicht zu Unrecht 2019 zur besten Bar Malaysias gewählt.

Drinks jeweils 44 oder 48 Ringgit, plus 6% Service (10-12 Euro).

Und wie heißt nun Cocktail auf malaysisch? Genau, „Koktel“.

Aviary Bar
Lobby Level, Hilton Kuala Lumpur
3 Jalan Stesen Sentral
50470 Kuala Lumpur

Helipad
34 Menara KH, Jalan Sultan Ismail,
50250 Kuala Lumpur
(direkt an der Monorail-Station Raja Chulan)

Coley Cocktail Bar
6-G Jalan Abdullah
59000 Bangsar, Kuala Lumpur

Malakka, Malaysia

Melaka

Tagesausflug nach Melaka, auf deutsch Malakka, praktischerweise spricht man es auf malaysisch auch genau so aus.

Malakka hat so ziemlich jede Kolonialmacht schon über sich ergehen lassen, erst die Portugiesen, dann die Niederländer, schließlich die Briten. Zwischendurch haben auch die Japaner einen unfreundlichen Besuch abgestattet.

Es gibt eine gut erhaltene Chinatown, mit dem Baba Nyonya Museum, einem alten Peranakan-Haus einer wohlhabenden Händlerfamilie.

Peranakan bzw. Baba Nyonya nennt man die malaiischen Nachfahren der ersten chinesischen Siedler auf der malaysischen Halbinsel.

Auf Empfehlung der uns begleitenden „native eaters“ direkt ein chinesisches Imbissrestaurant angesteuert, das Ee Ji Ban, berühmt für eine Spezialität Malakkas, Chicken Rice Balls. Die Wände tapeziert mit Zeitungsausschnitten, Fotos von Gästen und deren Foodblogs, Instagramaccounts etc.
Aha!

Ee Ji Ban Melaka

Eine bunte Mischung serviert bekommen: Babybroccoli mit Knoblauch und Austernsauce, Sambal petai (Stinky beans* mit Tintenfisch und Garnelen in würziger, aber nicht zu scharfer Chilisauce), und chicken roasted and boiled.

Ee Ji Ban Menu

Neben den üblichen alkoholfreien Getränken lokaler und internationaler Herkunft gab es noch Loh Han Guo, eine Art Tee mit Monk’s Fruit, süß aber gut!

Tolles Essen, aber der heimliche Star sind tatsächlich die Reisbällchen. Unscheinbare kleine Dinger, der Reis wird mit Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln in Hühnerfett angebraten, dann mit Pandanblättern in Hühnerbrühe gekocht, und noch heiß zu Kugeln geformt.

Stinky beans - Petai
Stinky beans/Petai

*Stinky beans sind übrigens gar nicht so furchtbar stinky. Dank der gefürchteten Wirkung der in ihnen reichlich vorhandenen Oligosaccharide allerdings der Esser danach.

Die betörenden malaysischen Süßspeisen hatte ich ja schon erwähnt. Da gibt es buntes und süßes, geschichtetes und gefaltetes, klebriges und fremdes. Und es gibt

Ondeh Ondeh !

Die bezauberndste Art Klebreis zu verarbeiten. Reisbällchen, gefärbt und gewürzt mit Pandanblättern, gewälzt in Kokosraspeln. Frisch natürlich, nicht in der staubtrockenen Backzutat, die wir hierzulande finden. Und beim Reinbeißen explodiert die flüssige Palmzucker-Füllung im Mund – Ekstase pur.

An diesen Bällchen hatten wir uns schon den gesamten Urlaub über gelabt, und an allen Verkaufsständen waren sie sehr gut bis hervorragend. Doch hier in Malakka sollte es eine Frau geben, die die besten des gesamten Landes herstellt.

Nahe der belebten Jonker Street befindet sich der Stand von Aku & Dia, doch oh weh! Er war zur Mittagspause geschlossen.

Aber aus dem Hintergrund bedeutete uns die Köchin einfach selber zur Tat zu schreiten, und die köstlichen Kugeln einzupacken.

Musste dann aber doch einmal nach vorne kommen, um zu kontrollieren was da vor sich geht.

Onde Onde Stand Malakka

Ach ja, Palmzucker! Neben Ikan Bilis, Belacan (eine Garnelenpaste), Pandanblättern und allen Kokosnuss-Verarbeitungsformen DIE wichtigste Zutat der Küche Malaysias. Gula heisst Zucker, und Palmzucker nennt man Gula melaka. Wir sind also am richtigen Ort für ein gutes Produkt, praktischerweise kann man bei Aku und Dia auch gleich welchen kaufen, im Bild vorne links. Verheerendes Übergepäckrisiko.

Ebenfalls eine Art Nachspeise ist Chendol, geschabtes Eis mit Kokosmilch, kleinen Flädle aus Klebreismehl, Palmzuckersirup und Topping nach Wahl. Für mich, wie schon bei Kuala Lumpur erwähnt, Durian. Erfrischend und lecker.

Gut umrühren

Gegessen bei Jonker 88.

Die Maschine um den Eisblock zu schaben, ähnlich wie der Coconutgrater auf dem Markt in Dato‘ Keramat, ist eine Freude für jeden ambitionierten Heimwerker.

Die Jonker Street (eigentlich Hang Jebat) ist übrigens dezent touristisch. Wer will kann sich zum Beispiel in solchen Gefährten chauffieren lassen:

Die Plüschdekoration ist eigentlich schon schlimm genug, aber warum die auch noch so lärmen müssen?

Schließlich noch eine Art privates Museum besucht, die Villa Sentosa in Kampung Morten, ein traditionelles malaiisches Holzhaus auf Stelzen. Die Familie bewohnt dieses Haus noch, und öffnet es tagsüber für interessierte Besucher. Wir wurden von Ibrahim begrüßt, dessen Großvater, ein Kolonialbeamter bei der britischen Verwaltung, das Haus 1920 errichtet hat.

Ausgesprochen freundlich und entspannt führte uns Ibrahim durch die Räume, erklärte alte Haushaltsgegenstände und Gerätschaften, und erzählte viel über das traditionelle Leben der früheren Zeit.

Villa Sentosa Kampung Morten

Ibrahim ist übrigens 83 Jahre alt. Da wünscht man sich mit 63 noch so auszusehen…

Der Eintritt ist kostenlos, man freut sich aber über eine kleine Spende.

 

 

Ee Ji Ban
275, Jalan Melaka Raya 3
75000 Melaka

Baba & Nyonya Heritage Museum
48-50, Jalan Tun Tan Cheng Lock, 75200 Melaka

Kedai Aku & Dia
25, Jalan Hang Kasturi, 75200 Melaka

Villa Sentosa
Lorong Tun Mamat 1, Kampung Morten
75300 Melaka

Kuala Lumpur, Malaysia

Auch wenn Reisen momentan nicht zu unseren täglichen Beschäftigungen gehört, hoffen wir doch alle darauf, dass es bald wieder möglich sein wird.
Hier also ein paar längst überfällige Eindrücke aus Kuala Lumpur, zur Ablenkung im Homeoffice.

Petronas Türme KL

Weiterreise nach Malaysia, ein Land, in dem man sich in der Landessprache (Bahasa Malaysia) mit den Worten „Apa khabar? Sudah makan?“ (Wie geht’s? Hast Du gegessen?) begrüßt. Sehr sympathisch.

In Kuala Lumpur angekommen, gleich auf den Weg gemacht um die nächstgelegen Leckereien zu erkunden. In der Nähe des Hotels liegt das indisch geprägte Viertel Brickfields.

Nachdem man sich aus der klimatisierten Luxuswelt des Hotels entfernt, und die klimatisierte Luxuswelt einer riesigen Shopping-Mall, in der sich auch der Hauptbahnhof versteckt, durchquert hat, trifft man auf so mancherlei indische Spezialitäten, z.B. im Sentral Chappati House.

Wenn man sich am Höllenfeuer eines brutal heißen Tandoor-Ofen direkt am Eingang vorbeigedrückt hat, eröffnet sich die Welt der indischen Straßenküche mit Frittiertem, Geschmortem, Gegrilltem und Gebackenem, Naan, Poori, Chappati, Dhal, Bryiani Reis, Currys und Korma in schlichtem Ambiente.

Der nächste Tag begann wieder mit einer gebuchten Foodtour, passenderweise „Off the Eaten Tracks“ genannt.

Kurzer Einschub zum öffentlichen Nahverkehr in Kuala Lumpur: Hypermodern, super sauber, durchgehend klimatisiert und an jeder Station eine (saubere!) öffentliche Toilette. Das kann ich aus Mitteleuropa nicht immer berichten. Es gibt LRT (Light Rapid Transit, eine Art Schnellbahn, vollautomatisch und fahrerlos), MRT (Mass Rapid Transit, etwa wie eine U-Bahn), die etwas vollere kleine Monorail-Linie, Busse und den KLIA-Ekspres zum Flughafen.

Mit dem sehr freundlichen Guide Timothy und einem weiteren, ebenfalls sehr sympathischen und foodaffinen deutschen (Nicht-) Paar

(Bitte melden ihr zwei! Habe noch ein paar hübsche Fotos, aber natürlich die email-Adresse verlegt)

starteten wir in der Keramat-Mall (LRT-Station Dato‘ Keramat)
am Stand von Kak Dayah. Die sind spezialisiert auf Nasi Kerabu, wörtlich Reissalat. Aber was für einer!

Göttlich.

Ein unglaubliches Potpourri an frischen Aromen. Dazu gehören der mit einer blauen Blüte eingefärbte Reis, mit Fisch gewürzte Kokosraspel, Sambals, und natürlich die Shrimpcracker Krupuk.
Das wunderschöne Arrangement wird erst gebührend bewundert, und danach herzhaft durchgemischt.
Rangiert mindestens unter den Top-3-Gerichten des gesamten Urlaubs.

Am Stand nebenan (1 Chopati) verspeisten wir noch ein paar Chapatis und fluffig ausgebackenes Poori mit köstlicher Rinderhackleisch-Beilage.

Direkt neben der Mall Richtung Westen schließt sich ein kleiner Markt an, mit diversen Händlern und Garküchen. Hier ist das Leben noch nicht ganz so klinisch wie in KL-City, oder gar in Singapur.

Zuerst gab es Murtabak, eine Art Omelett mit verschiedenen Füllungen, hier mit Mutton, also Hammelfleisch. Das hatten wir auch schon in Singapur gegessen und ist dort sehr beliebt. Sieht nicht besonders aufregend aus, schmeckt aber prima.

Beim Bummel über den Markt an einigen der wichtigsten Zutaten der malaysischen Küche vorbeigekommen. Ikan Bilis (getrockneter, sardellenartiger Mini-Fisch), mit abenteuerlichem Gerät geraspelte Kokosflocken,

und die für das Nasi Kerabu benötigte Ingwerblüte, genannt Torch ginger!

Auch so einiges vor sehr kurzer Zeit noch sehr lebendiges Getier.

 

Da! Kuhlunge!

Dann wurde es aber auch wirklich wieder Zeit zu essen, die letzte Mahlzeit war ja auch schon eine knappe Dreiviertelstunde her!

Am Grillstand von Mat Teh werden verschiedene, in einer Currymarinade eingelegte, Fischsorten im Bananenblatt gegrillt, für mich gab es Stingray, also „Kuala Lumpur, Malaysia“ weiterlesen

Bars in Singapur

Und abends in die Bar…
In Singapur befinden sich einige der besten Bars der Welt, so behauptet es jedenfalls die berühmte Liste.

Auf den Streifzügen durch Kampung Glam ist uns ein Haus, bzw. ein Wolkenkratzer aufgefallen, direkt gegenüber der MRT (Mass Rapid Transit = U-Bahn) Station Bugis:

Parkview Square.

Ein taiwanesischer Tycoon hat sich hier seinen Traum von einem Gebäude im Art-deco-Stil verwirklicht.
Architektonisch recht exaltiert, die Singapurer nennen es auch Gotham Building, es würde wirklich eher zu Batman nach Gotham City, als nach Singapur passen. Aber durchaus beeindruckend.

Die dreistöckige Lobby im Erdgeschoss, dezente 15 Meter hoch, beherbergt die Atlas Bar.

Sieht aus wie eine üppige Hotelbar, es gibt aber kein Hotel im Gebäude, nur Büros, Botschaften etc. Und das ZDF-Studio Singapur, nobel, nobel.

Vor der aktuellen Nutzung als Bar war hier ein Restaurant, und der Gintower mit 1200 Flaschen da im Hintergrund war früher ein Weinkühler, von weiblichen Servicekräften im Feenkostüm bedient, die an Drahtseilen schwebend die Weine herausholten…

Das war aber anscheinend sogar für die Crazy Rich Asians leicht drüber, und so gibt es inzwischen hier eine Bar ohne Feen.

Das komplette dritte Stockwerk birgt ein Museum mit der modernen Kunstsammlung des Erbauers
C.S. Hwang, kostenlos zu besichtigen.

Auch im Außenbereich sind so einige Skulpturen, und ein goldener Kranich, der gerade startet in Richtung China. Ein Symbol für das Heimweh Hwangs, der übrigens nur neun Monate nach der Eröffnung des Gebäudes verstarb.

Nun, dieser überkandidelte Prunk wollte doch bei einer gepflegten Cocktailkreation genossen werden.
Aus der themenbasierten Karte (nach Dekaden sortiert: The Jazz Age, Tutmania, The Zeppelin etc.) haben wir gewählt:
einen Great Amun (Spanish Gin, Vermouth dry, Chartreuse verte, Fino sherry, celery bitters)

und einen Atlas Martini, je 25 Sgd (etwa 16 Euro).
Beide ausgezeichnet.

Martinis werden übrigens auch mit teilweise antiken Gins aus der gigantischen Sammlung gemixt, mit einem Gin aus dem Jahr 1910 kostet er dann 250 Singapur Dollar…

An einem anderen Abend war eigentlich war ein Besuch im Native geplant, hatte aber einfach zu am Neujahrstag. Ohne Hinweis im Internet, auch kein Zettel an der Tür. Nun gut, ein paar Schritte weiter zu Operation Dagger, war aber auch geschlossen. Hier hing wenigstens eine Nachricht an der Tür. Leicht frustriert durch das Ann Siang Hill Viertel geschlendert, da erreichte mein Ohr Musik und Gläserklirren von einer Dachterrasse.

Dies kam aus dem Hotel „The Other Room“, auf dessen Dach sich eine Bar befindet, die sich passenderweise „The Other Roof“ nennt.
Keine Hotelbar, beide arbeiten unabhängig voneinander, die Barchefin Macarena Rotger bezeichnet das Verhältnis aber als „befreundet“.

Coole Location, hübsche Dachterrasse, aufmerksamer Service.
Zu trinken gab es einen Cocktail namens 1928, mit Gin, Campari, Cointreau und Vermouth dry (also ein anderer Name für einen Lucien Gaudin), und einen Old fashioned way (Ardbeg, Chocolate bitters, Zucker, Angostura, Rum diplomatico port cask finish), für je 25 Sgd.

Die Deko am Glas war erfrischend spartanisch, dafür wurde der Cocktail zum selber eingießen in einem Flachmann serviert.

Hervorragende Drinks, tolle Entdeckung.

Atlas Bar
600 North Bridge Rd, Parkview Square
Singapur

The Other Roof
28 Ann Siang Road
Singapur

Singapur

 

Marina Bay Singapur

Wie vermutlich schon zu bemerken war, habe ich eine gewisse Vorliebe für die mediterrane, aber auch für die asiatische Küche.

Nachdem ich den Mittelmeerraum als von mir ausgiebig bereist bezeichnen möchte, hingegen noch nie in Asien war, wurde es an Silvester Zeit dies zu ändern.

Mit einem bösen Blick von Greta Thunberg im Nacken starteten wir also zu einem Langstreckenflug nach Singapur.

Kinokuniya Kasse
An der Kasse des japanischen Buchladens Kinokuniya – fantastische Auswahl an englischsprachigen Kochbüchern

Singapur ist eine faszinierende Stadt, sehr modern und fast etwas übertrieben sauber und aufgeräumt. Die Schweiz ist erklärtes Vorbild, nicht nur in puncto Sauberkeit, sondern auch in Bezug auf Neutralität und einen Bankenstandort. Es drohen drakonische Strafen für so ziemlich alles unordentliche, Abfall wegwerfen, essen und trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln, E-Scooter fahren auf Bürgersteigen, oder gar rauchen.

Trotz all dieser Rigidät habe ich selten eine Stadt gesehen, in der so viele verschiedene Ethnien gleichberechtigt und harmonisch miteinander leben. Das wird von der Regierung vehement gefördert und gefordert, es gibt einen Racial Harmony Day, und in den Siedlungen mit zu 85% staatlich geförderten Eigentumswohnungen herrscht ein strikter Aufteilungsschlüssel nach ethnischer Zugehörigkeit: 76% Chinesen, 14 % Malaien, 8 % Inder und Rest. Zieht eine malaiische Familie aus, darf nur eine malaiische wieder einziehen.

Hardcore-Kapitalismus mit „social engineering“, aus europäischer Sicht befremdlich, scheint aber gut zu funktionieren.

Man sagt, es gibt in Singapur nur drei Jahreszeiten: Hot, hotter and shopping!

In der Tat kann man kilometerweit klimatisiert in Shoppingmalls durch die Stadt laufen, ohne ans Tageslicht zu müssen.

Das ist, ob der zeitweise hundertprozentigen Luftfeuchtigkeit bei konstanten 32 Grad, tagsüber oder abends, eine Zeit lang auch ganz angenehm.

(Eines Nachts um Mitternacht stieg ich vor dem Hotel aus dem brutal herunterklimatisiertem Bus, und mir beschlug die Brille. Die ersten Schritte in dieser Humidität fühlen sich an, als ob man einen warmen, feuchten, schweren Vorhang zur Seite schieben muss. Man gewöhnt sich aber daran.)

Da aber der Konsumrausch in den immer gleichen Läden doch irgendwie auf Dauer langweilig wird, gibt es netterweise noch eine andere Hauptbeschäftigung der Singapurer:

Essen!

In der manisch sauberen Stadt wurden alle mobilen Imbisswagen, die es früher gab, von der Straße verbannt und in sogenannten Hawkercentern zusammengefasst. Hier gibt es Strom- und Wasseranschluss, Toiletten und regelmäßige Hygienekontrollen. Von diesen Centern gibt es zur Zeit 114, mit insgesamt rund 14000 Hawker-Stalls, also Garküchen. Das sollte für die vier Tage Aufenthalt langen!

Zur ersten Orientierung haben wir eine Foodtour gebucht und sind mit einem kundigen Guide durch die drei wichtigsten Viertel auf der Suche nach essbarem gezogen: Kampong Glam (das malaiische Viertel), Little India und Chinatown.

Erster Stop das Kampong Glam Cafe, dort gab es Lontong: Ein im Bananenblatt gekochter, gepresster Reiskuchen mit Kokosmilchsoße, Weißkohl, einem hartgekochten Ei, Tofu mit Sambal und ganz wunderbar gewürzten Kokosflocken.

Kampong Glam ist (trotz der das Viertel beherrschenden Masjid-Sultan-Moschee) ein beliebtes Singapurer Ausgehviertel geworden,

und wir sind ein paar Tage später zu dem wenige Meter weiter gelegenem Restaurant Minang gegangen, um dort fantastisches Asam Pedas (Fischcurry) zu essen.

Little India: Ein kurzer Gang durch die quirlige Buffalo Road, voller indischer Lebensmittelgeschäfte und viel angebotenem Blumenschmuck.

Im Tekka Centre dann ein Streifzug durch die hauptsächlich südindische Küche. Leider recht viel frittiertes, aber ein sehr leckeres, wenn auch riesiges, Kartoffel-Dosai.

Obwohl ich kein großer Freund von milchhaltigen Getränken bin: Bei Mohd Hanifa gab es den besten Mango Lassi ever!

Chinatown:

Im Chinatown Complex aßen wir Popiah und einen sehr weichen, gedämpften Dumpling mit Schweinefleisch (Char Siew Pau). Popiah ist eine Art Frühlingsrolle aus der in Singapur vorherrschenden Teochew-Küche, überraschend lecker. Und Char Siew Pau war eine der Entdeckungen für mich überhaupt, ein weicher, fluffiger Teig mit einer würzigen, hocharomatischen Füllung.

Eine tolle Foodtour, würde ich sofort wieder machen.

Obwohl nicht mehr wirklich als hungrig zu bezeichnen, abends dann in das Bedok Corner Hawker-Centre etwas außerhalb, wo ich mit Oyster Omelette, Stachelrochen, Lammstelze, Rind- und Huhn-Satay und Rojak (ein würziger Obst- und Gemüsesalat) gefüttert wurde. Ebenfalls gab es ein Gericht mit Kuhlunge.

Kuhlunge ist erstaunlich zäh. Kann man essen, muss man aber nicht.

Die anderen Gerichte waren aber sehr gut, die weite Fahrt durchaus wert. Das „Singapur“ weiterlesen

Castelletto di Brenzone, Venetien

Auf der Rückfahrt einen Zwischenstopp am Lago di Garda eingelegt.

In der Nähe von Bardolino ist übrigens ein von Carlo Scarpa erbautes Wohnhaus, die Casa Ottolenghi (Ottolenghi? Kommt einem bekannt vor? Ja, der gute Yotam hat italienische Vorfahren.).

Das Haus ist leider nicht öffentlich zugänglich, aber auf dieser Webseite gibt es ein paar Bilder. Ein leuchtendes Vorbild für den stilvollen Einsatz von Beton im privaten Haus:

Casa Ottolenghi Bardolino

Der Gardasee selbst war eigentlich nur als Unterbrechung auf der Rückreise von Umbrien gedacht, entpuppte sich aber als sehr idyllisch. Was natürlich auch an der Wahl des Dörfchens lag, in dem ich vor, uuh, etwa 35 Jahren mehrfach mit den Eltern den Urlaub verbracht hatte. Denn in Castelletto di Brenzone ist die Zeit etwas stehengeblieben, und der Lago nicht ganz so touristisch wie an anderen Orten.

Auch das Hotel (nicht dasselbe wie damals) atmete den Charme der 60er, nachdem wir den Aufenthalt um eine Nacht verlängert hatten in der angrenzenden Dependenza den Charme der 80er…

Ein höchst sympathisches Schwesternduo führt die Geschäfte.

Sorelle Brighenti

Die Gäste mit Halbpension essen im Hotel, für mich sollte es aber die Pizzeria Belvedere sein.

Die Erinnerung verklärte da möglicherweise ein wenig, der Blick vom großen Balkon ist immer noch fantastisch, die Pizza gut, der Rest blieb auf dem bodenständigen Niveau einer Pizzeria.

Deutlich besser hingegen die Locanda Alla Fassa, ein geschmackvoll eingerichtetes Restaurant mit romantischer Panoramaterrasse direkt am Ufer.

 

Jakobsmuscheln mit Limetten- und Minze-Creme, Tarallicrumble.

Ganz ausgezeichnet. Taralli sind diese kleinen, tortelliniförmigen, salzigen und eher harten apulischen Kekse. Klein gekrümelt, mit einem Hauch Peperoncini,  sehr gut passend.

Nudeln mit Lachs und Pfirsich. Uffa! Obst an der Pasta! War aber erstaunlich lecker.

Als Hauptgerichte einen Wolfsbarsch mit Fenchelgemüse und ein Kalbsragù mit Pilzen, beides hervorragend, dazu einen leckeren Custoza von Menegotti. Und dieser Blick auf den See.

 

Ach, Olivenöl!

Das vom Gardasee ist etwas ganz besonderes, feinfruchtig, gelbgrün mit zartem, leicht süßlichem Geruch. Und Polyphenole zuhauf.

Nebenbei die nördlichste Olivenanbauregion der Welt.

Die Oleificio Piccoli Produttori (eine Kooperative kleiner Produzenten) verkauft Öl vor Ort, hauptsächlich aus der autochthonen Sorte Casaliva.

Ein Beispielbaum direkt gegenüber des kleinen Geschäftes:

Cultivar Casaliva

Schäppchenjäger aufgepasst: Auf der einen Seite im Regal die Flaschen mit dem teuren DOP-Siegel (geschützte Herkunftsbezeichnung), auf der anderen die Flaschen ohne Siegel. Mit dem gleichen Inhalt.

Der freundliche Verkäufer beim Blättern in einem Buch mit alten Fotos aus Castelletto:

 

 

Locanda Alla Fassa
Via Beato Giuseppe Nascimbeni 11
37010 Castelletto di Brenzone

Belvedere
Via Marniga 38
37010 Marniga di Brenzone

Hotel Pace
Via Marniga 10
37010 Marniga di Brenzone

Oleificio Piccoli Produttori
Via Vespucci 6
37010 Castelletto di Brenzone

 

Perugia, Umbrien

Il cuore verde d’Italia

 

Wie schrieb eine Reisejournalistin mal so schön: „Perugia ist wie Mittelalter mit WhatsApp, und das fühlt sich wunderbar an.“

Das trifft es ziemlich genau. Die Hauptstadt Umbriens, dem grünen Herz Italiens, obwohl uralt (mindestens 2500 Jahre, vermutlich aber schon früher besiedelt), ist dank der vielen Studenten jung, lebendig, und ausgehfreudig. Zum Zeitpunkt unseres Besuches fand außerdem noch das Umbria Jazzfestival statt. Was, neben der Schokoladenmesse Eurocioccolato im Herbst, die einzige Zeit ist in der in der Stadt viele Touristen sind. Sonst bevölkern eher Einheimische den Corso Vanucci, die eleganteste Flaniermeile Mittelitaliens.

Ein Flughafen von lediglich regionaler Bedeutung, keine Kreuzfahrtschiffe, und nur einmal am Tag ein Frecciarossa, der italienische Hochgeschwindigkeitszug. So bleibt man von Massentourismus verschont.

Der Hang der italienischen Jugend zur abendlichen Passeggiata, oder Vasca, wie man in Perugia sagt, lässt aber Samstag abends kein Gefühl der Einsamkeit aufkommen.

Die Innenstadt ist weitgehend autofrei, dank eines (für einen im Grunde genommen immer noch typischen Borgo, auf einem Hügel gelegen und voller winziger Gässchen) modernen Verkehrskonzeptes: Eine Einschienenbahn, genannt MiniMetro, Rolltreppen und ein Fahrstuhl transportieren die Passanten von den unten gelegenen Parkplätzen, dem Bahnhof und dem Busbahnhof in die Oberstadt.

Der Bahnhof ist übrigens mit einem Wartesaal von außergewöhnlicher Schönheit und Verfall ausgestattet.

Einkaufen

Umbrò

Ein Lebensmittelgeschäft mit Produkten aus Umbrien. Ausschließlich.

Wurst- und Käsetheke, Wein, Gemüse, diverse Delikatessen.
Im Untergeschoss Gastronomie mit Panoramaterrasse, die Apericena (Getränk und Buffet) für 7 Euro.

Von einer Kooperative gegründet, die sich „cultura, bellezza, bontà“ (Kultur, Schönheit, Qualität, bzw. Geschmack) auf die Fahnen geschrieben hat.

Toll.

Antico Frantoio

Die Familie Trampolini betreibt hier eine Olivenmühle mit hochklassigen Olivenölen, probieren und vor Ort kaufen möglich.

Der Sohn produziert auch Craftbier.

Caffè

Die Institution: Das Caffè Sandri auf dem Corso Vannucci. Die Decke bemalt, der Service in roten Jacken, der Caffè espresso außerordentlich teure 1 Euro 20.

Leckerste, hausgemachte Schokoladenversuchungen gibt es bei Mastro Cianuri. Auch tolles Eis.

Abends sind, den Studenten sei dank, vielfältige Möglichkeiten der Zerstreuung, Bars, Pubs, etc.

Stellvertretend möchte ich nur eine, nennen wir es Musikkneipe, erwähnen:

Marla.

Marco führt hier seit 5 Jahren einen vibrierenden Club mit vielen Livekonzerten.

Während des Jazzfestivals jeden Abend Jamsessions.

 

A tavola!

Mittags bei Cammino Garibaldi auf ein Getränk draußen gesessen, am Nachbartisch wurde ein gut aussehendes Gericht serviert: Pappa al pomodoro con Burrata.

Flugs bestellt, und siehe da, diese sehr traditionelle mittelitalienische Brot-Tomatensuppe war ganz hervorragend, frisch und angenehm sommerlich, die Burrata  sorgte für das Quentchen Etwas.

Wie immer in Umbrien und der Toskana die Suppe eher fest als flüssig.

Il Giardino

Sehr versteckt gelegenes Gartenlokal, (genaue Lage auf der Facebookseite herausfinden) eigentlich mehr Garten als Lokal, man kann nämlich nur draußen sitzen. Aber überraschend anspruchsvolle Küche.

Spaghetti vongole mit roter Bete

Wer denkt hier nicht an „Oops! I dropped the lemon tart!“ von Massimo Bottura?

Nur im Sommer geöffnet.

Il Tempio

Am nördlichen Stadttor gelegene Weinbar, mit kleinen Snacks. Tolle Auswahl an umbrischen Weinen. Bisschen Toskana ist auch dabei.

Zum Wein einen köstlichen Brotsalat mit –

Burraaataa!

Selten liebevoller serviert bekommen als von Remigio,

der mit seiner Tochter Claudia das Geschäft betreibt.

Osteria a Priori

Kleines, familiengeführtes, gemütliches Lokal, tagsüber Enoteca mit Weinverkauf, abends warme Küche.

Es gab als primi:
Fagiolina del trasimeno, eine uralte lokale Bohnensorte.

Stracciata al tartufo, ein Filatakäse, etwa in der Art von Mozzarella, mit „Perugia, Umbrien“ weiterlesen

Tomba Brion

Kleiner Ausflug zur modernen Architektur, Palladio hatten wir ja schon.

Die Ehefrau des Industriellen Giuseppe Brion aus dem Veneto beauftragte den Architekten Carlo Scarpa für sich und ihren verstorbenen Ehemann ein Grabmal zu erschaffen. Grabmal ist vielleicht nicht das richtige Wort, eher ein Monument oder ein japanischer Tempelgarten? Vermutlich von allem etwas.

Brion war Inhaber der Elektronikfirma Brionvega, die hauptsächlich mit Radiogeräten modernsten Designs erfolgreich war. Scarpa erhielt völlig freie Hand bei der Gestaltung des über 2000m² großen Areals.

Carlo Scarpa blieb zeitlebens die gebührende Anerkennung versagt, da er zwar Architekturdesign studiert hatte und in Venedig als Professor der Architektur graduierte. Die italienische Regierung veränderte jedoch die Zulassungsbestimmungen für Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg, und ein neuerliches pro forma Examen verweigerte er. Als Folge dessen mussten seine Assistenten die Bauprojekte offiziell führen und unterzeichnen, und er wurde von missgünstigen Kollegen gelegentlich als Inneneinrichter verspottet.

Mit der Tomba Brion gelang ihm in den 70er-Jahren sein Meisterwerk.

Über den Friedhof der Gemeinde gelangt man zum Komplex.

Trotz des fast brutalistischen Einsatzes von sehr viel Beton ist der Ort eine Idyll der Kontemplation, mit einer bezaubernden Formensprache.

 

Der Haupteingang mit der öffentlich für Totenmessen genutzten Kapelle wurde leider zum Zeitpunkt unseres Besuches renoviert, aber auch der zugängliche Teil der Anlage mit dem japanisch anmutenden Garten und Seerosenteich, den vielen kleinen Details und Blickachsen verströmt eine betörende Poesie.

Auch der Dorfjugend gefällt’s.

Nach seinem Unfalltod 1978 in Japan wurde Scarpa knapp außerhalb der Grabanlage beerdigt (senkrecht, mit Leinentüchern umwickelt nach der Art eines mittelalterlichen Ritters [!]).

Tomba Brion
Via Brioni
31030 San Vito di Altivole

 

 

I would like to explain the Brion Cemetery…I consider this work, if you permit me, to be rather good and which will get better over time. I have tried to put some poetic imagination into it, though not in order to create poetic architecture but to make a certain kind of architecture that could emanate a sense of formal poetry….The place for the dead is a garden….I wanted to show some ways in which you could approach death in a social and civic way; and further what meaning there was in death, in the ephemerality of life – other than these shoe-boxes.” (Carlo Scarpa)

Padua, Venetien

Veneziani, gran Signori
Padovani, gran dottori*

 

Padua, eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Gut 200.000 Einwohner, durch die vielen Studenten sehr quirlig und lebendig. Und außer einigen Pilgern zu der Basilika des Heiligen Antonius recht untouristisch.

Der Blick fällt hier auf den Palazzo della Ragione, dem Justizpalast aus dem 13. Jahrhundert, heute unter anderem ein Museum. Vor dem Palast ein täglicher Markt für Haushaltsartikel, auf der anderen Seite Obst und Gemüse. In den Arkadengängen Lebensmitteleinzelhändler. Fisch, Käse, Öl, Pferdefleisch.
Paradiesisch.

Am ersten Morgen gleich eine kleine Flusskreuzfahrt von Padua nach Venedig auf dem Brentakanal unternommen.

Sehr entschleunigt lässt man die Landschaft an sich vorbeiziehen, während die Reiseleitung wissenswertes (auf deutsch und italienisch) über die zahlreichen Villen entlang der Strecke erzählt.

Drei davon werden auch besichtigt, Villa Pisani, Villa Widmann und Villa Foscari, genannt La Malcontenta.

Auf der Fahrt werden zahlreiche Schleusen und Brücken passiert. Niedrige Brücken…

Die Villa Pisani ist die größte der drei Villen,

die gelungenste aber wohl die von Andrea Palladio 1550-60 erbaute Malcontenta.

Seine Wiedergeburt der römischen Antike prägte einen ganzen Baustil, den Palladianismus, und später den Klassizismus.

Das Weiße Haus in Washington, zum Beispiel, ist in diesem Stil erbaut.

Am Ende der ganztägigen Tour erreicht man schließlich Venedig, von der Kanalmündung geht es über die Lagune um dann „in stile“ an der Piazza San Marco anzulanden.

Einen Schritt auf den Boden gesetzt ist die Ruhe der Flussfahrt auch schnell „Padua, Venetien“ weiterlesen

Freiburg

Kurzbesuch in Freiburg.

Die Freiburger genießen den Luxus eines werktäglichen Erzeugermarkts am Münster (Montag bis Freitag von 7:30 bis 13:30, samstags bis 14:00). Auf der Nordseite schöne Produkte vom Kaiserstuhl und dem Markgräflerland, und Imbissstände mit der berühmten Freiburger Langen Roten.

Auf der Südseite Kunsthandwerk, Delikatessen und Blumen.

Nicht zu vergessen Stefans Käsekuchen, famos über die Grenzen des Breisgau hinaus.

 

Abends gebummelt auf der Suche nach einem Restaurant, für eine Tapasbar im Studentenviertel entschieden: La Pepa (Moltkestr. 27).

Fast ausgebucht, kleine Warteschlange am Eingang, trotzdem freundlich und flink bedient worden von Laura, wie sich später herausstellt Ehefrau des spanischen Besitzers und: Italienerin.

Frittierte Garnelen im Filoteig, Papas arrugadas, eine sehr gute Ceviche und ein perfekt gebratener Oktopusarm sorgten für einen zufriedenen Abend. Und die Flasche des guten Rueda.

Ach, und zum Dessert eine Tarta de Santiago, ein Mandelkuchen, stilecht mit Malaga zum daraufgießen serviert.

Beim Verdauungsspaziergang eine Gruppe von Tango-Aficionados entdeckt, die einen stillgelegten Brunnen zum Ort der Begegnung umfunktioniert haben.

Abends in die Bar:

One Trick Pony (Oberlinden 8)

2018 von einem Fachmagazin in drei Kategorien für deren Bar Awards ausgezeichnet.

Für die Nichtraucher ein langer Tresen im Durchgangsbereich (warum kommt mir das Wort Schlauch in den Sinn?), mit gut sortiertem Barstock.

Hinten ein sehr großzügiger Raum für die Raucher, mit Galerie über zwei Etagen.

Die Getränkekarte im Comicstil (ganz witzig: Die Gincocktail-Hauskreation mit Basilikum wird von einem mit Lorbeerkranz verziertem Jörg Meyer präsentiert, kleine Hommage an die deutsche Barlegende und Schöpfer des Gin Basil Smash).

Wir bestellten einen eigentlich alkoholfreien Drink mit Roter Bete, aufgepeppt mit ein wenig Alkohol: Code Red mit Geist (12 Euro) und ein Boaty’s Back (Zitronengras-Rum, Wermut, Holunder, 11 Euro).

Schön gemacht, nettes Team, aber zu müde für einen zweiten Drink.

 

Am nächsten Tag nur sparsam gefrühstückt und zum Mittagessen in das

The Gramercy (Fischerau 28)

Moderne Einrichtung in hellen Grautönen.

Zum Aperitif einen sehr guten Vouvray von der Loire, Troglodyte von Alain Robert.

Als Vorspeise gab es Burrata mit Orangen.

Hoppla, kenne ich doch? Stimmt, ist ein Rezept von Ottolenghi, hatte ich im Oktober an dieser Stelle zubereitet. Nun, scheint ein gutes Rezept zu sein und war, wie erwartet, delikat abgestimmt.

Anstelle des Desserts für die Begleitung ein Zwischengang: Ravioli mit Ricotta und Salbei, sehr klassisch, aber hundert Prozent selbstgemacht und zartschmelzend aromatisch.

Hauptgang für mich Frikadellen, gegenüber Bäckchen, mit Fleisch von ein und demselben Rind, mit Kartoffelpüree und Gemüse. Tolles Fleisch mit einem leckeren Tropfen vom Kaiserstuhl, einem Spätburgunder vom Weingut Abril.

Zum Abschluss noch eine kleine Käseauswahl, das Mittagsmenü mit 3 Gängen kostete 35 Euro. Angemessen und empfehlenswert.

Sebastian Trefzer hat hier eine präzise Küchenleistung gezeigt, und die umsichtige Carolin Reichenbach im Service steuert ihren Teil dazu bei, um eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen.

Nur mittags geöffnet!

 

Eine kleine Abkühlung auf der Dachterrasse des Skajo (Kaiser-Joseph-Strasse 192), schöner Blick auf das Münster und über die Stadt.

 

Gut besucht, abends vermutlich ein wenig schicker als der Rest des fahrradfahrenden, rucksacktragenden Birkenstock-Freiburgs. Aber tagsüber ganz entspannt.

Nach einem kleinen Shopping-Rundgang (Gefahr! Kochbücher!)

auf einen kleinen Imbiss mit Getränk in den sehr zentral gelegenen Biergarten Feierling (Gerberau 46). Trubelig und wuselig, aber für ein erfrischendes Bier genau richtig.

Sprach ich neulich im Artikel über Florenz von aussterbenden Eisenwarenläden? Freiburg hat einen! Warum kann der existieren?

Hilfreich ist natürlich keine Ladenmiete zu zahlen, ich vermute dies ist hier der Fall. Und die gute Lage am Schwabentor, aber das alleine rettet keinen kleinen Einzelhändler. Abgesehen von dem umfangreichen Sortiment auf kleinstem Raum, von einzelnen Schrauben über Blumenerde, Gartengeräten hervorragender Qualität von der Schwarzwaldschmiede, bis zu an der Decke hängenden Fahrrädern ist es wohl der Service, der den Unterschied macht.

Der Inhaber versprüht eine umwerfend gute Laune, und nimmt sich die Zeit mit jedem zu plaudern, ohne geschwätzig zu sein.

Luitpold Bauer (Oberlinden 25)

Gen späteren Abend noch eine Ausstellung mit ungewöhnlichen Öffnungszeiten besucht:

Two Degrees Celsius

Fotograf Tom Hegen

Veranstalter und Sponsor Markus Specht begleitete und erklärte uns das Konzept und die Entstehung des Projekts.

Tom Hegen fotografierte Luftbilder, aus dem Flugzeug und dem Helikopter, von abschmelzenden Eismassen in Island und der Antarktis.

Fotografien von betörender Schönheit, und ohne den mahnenden Zeigefinger zum gegenwärtig allgegenwärtigen Thema Klimaerwärmung zu erheben, liefern die Bilder einen erschreckenden Eindruck von der sich verschlechternden Situation des Eises an den Polen.

Dazu gibt es noch eine etwa halbstündige Multimediaschau.

https://www.scene-art-statement.com/

Noch bis zum 6. Juli zu sehen, eine Verlängerung ist aber schon geplant. Danach weitere Termine in verschiedenen deutschen Städten.