Padua, Venetien

Veneziani, gran Signori
Padovani, gran dottori*

 

Padua, eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Gut 200.000 Einwohner, durch die vielen Studenten sehr quirlig und lebendig. Und außer einigen Pilgern zu der Basilika des Heiligen Antonius recht untouristisch.

Der Blick fällt hier auf den Palazzo della Ragione, dem Justizpalast aus dem 13. Jahrhundert, heute unter anderem ein Museum. Vor dem Palast ein täglicher Markt für Haushaltsartikel, auf der anderen Seite Obst und Gemüse. In den Arkadengängen Lebensmitteleinzelhändler. Fisch, Käse, Öl, Pferdefleisch.
Paradiesisch.

Am ersten Morgen gleich eine kleine Flusskreuzfahrt von Padua nach Venedig auf dem Brentakanal unternommen.

Sehr entschleunigt lässt man die Landschaft an sich vorbeiziehen, während die Reiseleitung wissenswertes (auf deutsch und italienisch) über die zahlreichen Villen entlang der Strecke erzählt.

Drei davon werden auch besichtigt, Villa Pisani, Villa Widmann und Villa Foscari, genannt La Malcontenta.

Auf der Fahrt werden zahlreiche Schleusen und Brücken passiert. Niedrige Brücken…

Die Villa Pisani ist die größte der drei Villen,

die gelungenste aber wohl die von Andrea Palladio 1550-60 erbaute Malcontenta.

Seine Wiedergeburt der römischen Antike prägte einen ganzen Baustil, den Palladianismus, und später den Klassizismus.

Das Weiße Haus in Washington, zum Beispiel, ist in diesem Stil erbaut.

Am Ende der ganztägigen Tour erreicht man schließlich Venedig, von der Kanalmündung geht es über die Lagune um dann „in stile“ an der Piazza San Marco anzulanden.

Einen Schritt auf den Boden gesetzt ist die Ruhe der Flussfahrt auch schnell dahin, Touristenstände allüberall, Venedig ist halt eine Sache für sich.

Wenige hundert Meter von der Piazza entfernt wird es aber beträchtlich ruhiger, und schee is‘ ja scho!

Gemütlich durch die Gassen zum Bahnhof geschlendert und für 4,95 in 30 Minuten mit dem Zug zurück nach Padua.

 

Beim Bummel über den Markt hinter dem Palazzo della Ragione auf eine ungewöhnliche Tomatensorte gestoßen: Cavallino Venezia.

Eine sehr große Tomate, die im Gegensatz zur üblichen Fleischtomate aber überhaupt nicht „mehlig“ schmeckt, sondern hocharomatisch, und trotz diverser grüner Stellen absolut vollreif war. Nach kurzer Recherche herausgefunden, dass sich der Name wohl nicht auf eine Ähnlichkeit mit einem Pferd bezieht (Cavallino = Pferdchen), sondern auf den gleichnamigen Ort auf einer der großen Inseln in der Lagune von Venedig, wo sie angebaut werden. Sehr wenige Kerne, fast nur Fruchtfleisch, trotzdem einige Kerne getrocknet und aufgehoben in der Hoffnung, dass die Früchte keine F1-Hybriden sind.

Nun noch den heimischen Garten geflutet um das Mikroklima der Lagune nachzubilden, und nächstes Jahr werde hier ich hoffentlich über leckerste Tomatensalate schwärmen.

 

Rundfahrt durch den Veneto: Eine weitere Palladio-Villa, die Villa Cornaro, wird zur Zeit leider restauriert. So nur ein Blick von außen, und von der Gartenseite, bei mittelprächtigem Wetter.

 

 

Auf der Heimreise aber erspäht der Gattin geübter Blick ein schickes, modernes Einrichtungshaus.

Doch weit gefehlt, beim Näherkommen entpuppt sich dieses als ein Weinladen. Oder besser ein Tempel des Weines: Ferrowine.

Prima.:)

Möglicherweise wäre der Besuch eines Einrichtungshauses allerdings billiger gekommen.

 

Und dann noch ein Friedhof.
Nein, ich besichtige im Urlaub nicht wirklich oft Friedhöfe, aber dieser hier ist eine architektonische Besonderheit.

Doch dazu ein eigener Artikel:

Tomba Brion 

Außerdem lohnend zu besichtigen in Padua: Die Universität (Palazzo del Bo), und der botanische Garten, vermutlich der älteste der Welt.

 

Und natürlich die Basilica di Sant’Antonio, mit so allerlei Reliquien des Heiligen.
Zur Cappella degli Scrovegni mit den Fresken von Giotto haben wir es nicht geschafft.

Doch genug der Kultur, Zeit sich um das Essen zu kümmern.

Gelato:

Diesmal bei Venchi, einer italienumspannenden Kette. War aber trotzdem gut.
Mit in Schokolade und Kokosraspeln getauchter Waffel.

Die Restaurants:

Hungrig in die Ostaria al Traguardo. Bodenständige, lokale Küche. Eleganter Franciacorta, schmackhafte Lasagne mit Radicchio (ohne Hackfleisch, ohne Käse!). Bezaubernde Patronin.

Direkt nebendran: Die Salumeria al Carmine, recht neu eröffneter Delikatessenladen. Allerlei feine Weine, Olivenöl, Pasta, Gemüse etc.

Wurst und Käse natürlich auch, aber der Clou sind die fantastischen Schinken!

Silvio berät Euch gerne.

prosciutto crudo la languiranno

Uno dei ns biglietti da visita? 🙃#Prosciutto Crudo da #Langhirano 👍🔝Tanara Giancarlo Spa…e voi l'avete mai provato? 😍😋

Gepostet von Salumeria Al Carmine am Donnerstag, 11. Juli 2019

Während des Stöberns in einem netten Weinladen (Enoteca Donna Irene), auf die Frage eines anderen Kunden, wo man denn in Padua gut essen gehen könnte, antwortet der Besitzer: „Bei mir!“

Nun, das schien mir schlüssig, also abends in das Restaurant Donna Irene, wunderschön gelegen am Rande eines kleinen Parks.

Etwas aus der Zeit gefallen:
Die mitreisende Begleitung bekam eine Damenkarte, ohne Preise. 🙂

Zum Auftakt Thunfisch, Wassermelone, Tomatenwasser, Frühlingszwiebeln.

Fantastisch.
Außer Salz und Pfeffer keinerlei Gewürz, die exzellente Zutaten bespielten dieses Gericht von alleine. Wird lange im Gedächtnis bleiben.

Als Primo: Maccheroncini mit Garnelen, Fava Bohnen, Curry.

Currygewürz an einer Pasta kommt in Italien einem Sakrileg gleich, schmeckte aber ganz vorzüglich, der Mut des Koches hat sich gelohnt.

Danach konnte das Menu den hohen Standard leider nicht mehr halten, der Pulpo war zwar gut, kombiniert mit einer Art tomatiger Gulaschsoße jedoch irgendwie merkwürdig, das passte nicht zusammen.

Das Dessert, ein großer Cannolo mit Cassatafrüchten, blieb leider auch unter dem Niveau des Anfangs.

Getrunken einen Versavò Bianco von Monteversa, Veneto. Eine herrliche frische, trockene Cuvèe aus Garganega, Manzoni bianco, Chardonnay und Moscato giallo, so gut wie ich es bei einem Besitzer eines Weinladens auch erhofft hatte.

Das Menu für 45 Euro. Das war die Vorspeise schon wert. Schade, dass die letzten beiden Gänge nicht mehr mithalten konnten, ich würde trotzdem wieder hingehen.

 

La Gineria

In der Straße unserer Unterkunft, darauf aufmerksam geworden durch die interessante und kreative Speisekarte.

Ungewöhnliches Konzept mit Gincocktails als Getränkebegleitung zu jedem Gericht. Um den Abend gesittet zu überstehen habe ich mich auf einen Cocktail beschränkt…

Für die Dame:

Panna cotta salata mit Parmesan und Honig, Pancetta und Walnüssen, dazu als Getränk ein Americano fumè.

Pfiffige Variation einer nicht süßen Panna cotta.

Danach ein Steinbuttfilet mit Sakeglasur, dazu Japan Negroni mit Sake.

Der Fisch war steinbutterzart, und der Sake-Negroni kam so gut an, dass ich mich nach dem Rezept erkundigte. Dieses wollte der Inhaber aber partout nicht herausrücken, also musste ich ein wenig zusehen und, nun, interpolieren. Das hier kommt der Sache ziemlich nahe:

Sake Negroni (folgt)

Für den Herrn:

Budino di Grana padano, confierte Tomaten, Oliven-Kaperncreme.

Eine Art Pudding mit Grana padano, sehr gelungen!

Spaghetti mit Vongole, Kicherbsen, Bottarga, und Peperoncini-Öl, dazu einen Negroni mit Averna, genannt Don Salvatore.

Hervorragend.

Die Venusmuscheln schmeckten zart, süß und so frisch, als ob der Fischer mit seinem tropfenden Eimer just das Lokal verlassen hätte.

Das Öl in der Tat reichlich scharf, mit der Pipette aber gut zu dosieren.

Bottarga ist getrockneter Rogen von der Meeräsche.

 

Thun mit Mandeln paniert, Pistaziensalsa, Wasabicreme, Endivie und Vitello tonnato.

Perfekter Garpunkt, ein wenig Crunch, Schärfe vom Wasabi, was will man mehr?

Zum Schluss ein geteiltes, bisschen staubiges (zu viel Kakaopulver) Tiramisu.

 

Vorspeisen 12 und 14 Euro, die Hauptgerichte 24 bzw. 26 Euro, Cocktails als Begleitung zum Essen je 5,-.

Tolles Restaurant, der Inhaber betreibt ein paar Schritte weiter noch eine coole Bar gleichen Namens.

 

Weiterhin erwähnenswert war die Bar Quo Vadis, eine kleine, sympathische Weinbar. Hervorragender Lugana, und eine Schinkenplatte gab es einfach so dazu.

 

Normalerweise bestelle ich mir keine Pancakes, aber nachdem ein vergleichbares UFO am Nachbartisch des/der schicken Caffè/Pasticceria mit dem bezeichnenden Namen Caffeine landete wurde ich schwach.

 

Natürlich muss man wenigstens einmal einen Kaffee im Caffè Pedrocchi getrunken haben. Nicht unbedingt die quietschgrüne Spezialität des Hauses mit Minze, sondern lieber einen normalen Capuccino. 

Im Haus noch beiläufig ein Museum des Risorgimento, der italienischen Unabhängigkeitsbewegung im 19 Jahrhundert. Viele der Protagonisten des Risorgimento trafen sich im Hause, und vor den Türen des Caffès tobte 1848 auch ein blutiger Kampf gegen die Österreicher.

Und dann die überall in Padua feiernden Studenten, welche ihre bestandene Abschlußprüfung, die „Laurea“ (darum auch der Lorbeerkranz), mit fröhlichen „dottore, dottore!“- Rufen bejubeln.

 

 

 

Ostaria al Traguardo, Via Francesco Petrarca 13, Padua

Salumeria al Carmine, Via Francesco Petrarca 9, Padua

Ferrowine, Via Borgo Padova 101A, Castelfranco Veneto

Enoteca Donna Irene, Via Umberto I 89, Padua

Ristorante Donna Irene, Vicolo Pontecorvo 1, Padua

La Gineria (Restaurant), Via Boccaleria 5, Padua

La Gineria (Bar), Via Francesco Squarcione 4, Padua

Quo Vadis, Via S. Francesco 135, Padua

Caffeine, Via Roma 96, Padua

Caffè Pedrocchi, Via VIII Febbraio 15, Padua

 

 

 

*Italienischer Kinderreim über die Eigenarten der Einwohner des Nordostens.

In etwa:

Venezianer (sind) große/edle Herren
Paduaner große Gelehrte (auch: Ärzte)

Veneziani gran signori
Padovani, gran dotori
Visentini, magna gati
Veronesi…. tuti mati
Udinesi, castelani col cognome de Furlani
Trevisani pan e tripe,
Rovigoti baco e pipe,
i Cremaschi fa cojoni,
i Bressan tajacantoni,
ghe n’è anca de pì tristi:
Bergamaschi brusacristi.
E Belun? Póre Belun,
te se proprio de nisun!

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